Die Bundesregierung will die Energieeffizienz-Auflagen für Rechenzentren spürbar zurückfahren. Eine Novelle des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) aus dem Bundeswirtschaftsministerium entschärft zentrale Pflichten, die das 2023 in Kraft getretene Gesetz der Branche auferlegt hatte. Begründet wird der Schritt mit Bürokratieabbau und Standortwettbewerb – Klimaschützer sprechen von einer Verwässerung.

Was konkret gelockert werden soll

Im Zentrum stehen die Effizienzkennwerte. Der sogenannte PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) misst, wie viel Strom über die reine IT-Last hinaus etwa für Kühlung verbraucht wird; ein Wert nahe 1,0 gilt als sehr effizient. Der bisher geforderte Grenzwert von höchstens 1,2 für Neubauten bleibt zwar erhalten – gelockert wird aber der Nachweis: Betreiber sollen ihn künftig vier Jahre lang nur noch in der Planung „auf dem Papier" belegen müssen, nicht mehr im laufenden Betrieb.

Auch die Abwärmenutzung wird aufgeweicht. Statt feste Quoten verpflichtend in Wärmenetze einzuspeisen, soll technisch vermeidbare Abwärme künftig wieder anfallen dürfen, ohne dass sie zwingend wiederverwendet werden muss. Hinzu kommen angehobene Schwellenwerte für verpflichtende Energie- und Umweltmanagementsysteme, was nach Angaben der Regierung tausende Betriebe von teuren Audit- und Nachweispflichten befreit. Kritisch gesehen wird zudem die Möglichkeit, Umweltdaten künftig als Geschäftsgeheimnis einzustufen – das könnte die Transparenz einschränken.

Warum die Regierung lockert

Die Regierung verweist auf Entlastung: Die Neufassung senke den jährlichen Erfüllungsaufwand der Wirtschaft um rund 760 Millionen Euro und vermeide einmalige Lasten in Milliardenhöhe. Branchenvertreter wie der Verband eco hatten lange vor Wettbewerbsnachteilen gewarnt; im Standortwettbewerb mit Ländern wie Irland oder den Niederlanden gelten die deutschen Auflagen vielen Betreibern als zu streng – während der KI-Boom die Nachfrage nach Rechenleistung in die Höhe treibt.

Kritik von Umweltseite

Umweltorganisationen laufen Sturm. AlgorithmWatch und das Umweltinstitut München argumentieren, die Reform schwäche zentrale Klimaschutzinstrumente ausgerechnet dort, wo der Energieverbrauch am schnellsten wachse – bei Rechenzentren und KI. Verbindliche Sparziele würden durch unverbindliche Prüfprozesse ersetzt, ungenutzte Abwärme sei ein Rückschlag für die Wärmewende.

Hintergrund: wachsende Stromfresser

Rechenzentren sind einer der dynamischsten Stromverbraucher des Landes. Nach Zahlen des Digitalverbands Bitkom lag ihr Stromverbrauch 2025 bei rund 21,3 Milliarden Kilowattstunden – 2015 waren es erst etwa 12 Milliarden. Treiber ist die KI, deren Anteil an den Kapazitäten in den kommenden Jahren stark steigen dürfte.

Einordnung

Die Novelle steht erst am Anfang des Gesetzgebungsverfahrens; Verbände-Anhörung und parlamentarische Beratung stehen noch aus, Änderungen sind möglich. Politisch markiert der Entwurf einen Kurswechsel: Wo das EnEfG 2023 als Vorreiter galt, setzt die Regierung nun auf Entlastung im Standortwettbewerb. Ob das gelingt, ohne den Klimazielen zu schaden, dürfte die Debatte der kommenden Monate bestimmen.