Wenn Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland gefragt werden, was sie im Schulalltag am meisten belastet, fällt die Antwort inzwischen eindeutig aus: nicht der Papierkram, sondern das Verhalten der Schülerinnen und Schüler. Das geht aus dem aktuellen Deutschen Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung hervor, einer der größten regelmäßigen Befragungen von Lehrkräften hierzulande.

Die zentrale Zahl

Knapp jede zweite Lehrkraft – 46 Prozent – nennt den Umgang mit dem Verhalten der Schülerinnen und Schüler als größte berufliche Belastung. Der Wert ist über die Jahre kontinuierlich gestiegen: Vor zwei Jahren sagten das noch gut ein Drittel, im Folgejahr 42 Prozent. An weiterführenden Schulen liegt der Anteil noch höher. Konflikte, Mobbing und Gewalt unter Schülern bleiben damit das prägende Stressthema – fast die Hälfte der Lehrkräfte berichtet laut der Auswertung des Schulportals von Problemen mit physischer und psychischer Gewalt an ihrer Schule.

Was das Schulbarometer ist

Das Deutsche Schulbarometer ist eine repräsentative Befragung, die die Robert Bosch Stiftung regelmäßig durchführen lässt. Für die aktuelle Auswertung wurden rund 1.547 Lehrkräfte allgemein- und berufsbildender Schulen befragt, die Erhebung lief von November bis Dezember 2025. Weil viele Befragte wiederholt teilnehmen, lassen sich Entwicklungen über die Zeit gut nachzeichnen.

Erschöpfung und Personalmangel

Die Belastung schlägt auf die Gesundheit durch: Fast ein Drittel der Lehrkräfte berichtet von Erschöpfung mehrmals pro Woche, rund jede fünfte fürchtet, gegenüber den Problemen der Schülerinnen und Schüler emotional abzustumpfen – jüngere Lehrkräfte sind dabei stärker gefährdet. Auf den weiteren Plätzen der größten Belastungen folgen die Arbeitsbelastung und der Zeitmangel sowie der Umgang mit heterogenen Lerngruppen.

Die Lücke bei der Unterstützung

Besonders deutlich wird, woran es fehlt: an multiprofessioneller Unterstützung. Nur ein Teil der Lehrkräfte hält das Angebot an Schulsozialarbeit für ausreichend, bei der Schulpsychologie ist die Lage noch angespannter – ein erheblicher Anteil sagt, das Angebot decke den Bedarf kaum oder gar nicht. Genau dort, wo Verhaltensauffälligkeiten und Gewalt aufgefangen werden müssten, stehen viele Schulen also weitgehend allein da.

Forderungen und Einordnung

Die Bildungsgewerkschaft GEW und Lehrerverbände sehen dringenden Handlungsbedarf und fordern mehr Schulpsychologinnen und -psychologen, mehr Schulsozialarbeit sowie feste multiprofessionelle Teams an jeder Schule. Das Schulbarometer misst dabei keinen plötzlichen Ausbruch, sondern einen verfestigten Zustand: Seit Jahren bewegen sich die Werte auf hohem Niveau. Solange Schulen Verhaltensprobleme und Gewalt ohne ausreichende psychologische und sozialarbeiterische Unterstützung bewältigen müssen, bleibt die Last dort, wo sie ohnehin am höchsten ist: bei den Lehrkräften – und damit am Ende bei den Kindern selbst.