Die Bundeswehr soll in den kommenden Jahren so stark aufgerüstet werden wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Doch je größer die Summen, desto lauter die Warnungen: Der Bundesrechnungshof und Haushaltspolitiker mehrerer Fraktionen befürchten, dass der Staat beim Einkauf von Wehrmaterial systematisch zu viel zahlt.
Was der Rechnungshof mahnt
In seinem Bericht „Handlungsbedarf bei der Bundeswehr" vom 27. Mai 2025 warnt der Bundesrechnungshof grundsätzlich vor einem unwirtschaftlichen Umgang mit den stark gewachsenen Verteidigungsmitteln. Die Kernmahnung: Aus einem sicherheitspolitisch begründeten „Whatever it takes!" dürfe kein verwaltungsseitiges „Geld spielt keine Rolle!" werden. Der durch die geänderte Schuldenregel absehbare Geldzufluss schaffe „neue Herausforderungen" – Ministerium und Truppe seien in der Pflicht, die Mittel „wirksam und verantwortungsvoll" einzusetzen.
Kritik aus dem Haushaltsausschuss
Konkreter werden die Haushaltspolitiker des Bundestags. Sie beklagen zu wenig Wettbewerb, eine Abhängigkeit von wenigen großen Herstellern und fehlende Preiskontrolle. „Die Preise explodieren gerade, es gibt leider zu wenig Wettbewerb", sagt der CDU-Haushälter Andreas Mattfeldt und vermutet, „dass sich da welche die Taschen vollmachen wollen". Auch der SPD-Hauptberichterstatter für den Verteidigungsetat, Andreas Schwarz, beobachtet eine Tendenz zu überhöhten Preisen – auffällig sei, dass oft erst dann höhere Preise aufgerufen würden, wenn der Käufer die Bundeswehr ist.
Als Beispiel kursiert ein eigentlich simples Produkt: der Tankcontainer. Geplant ist die Anschaffung von bis zu 4.000 Stück; Berichten aus dem Haushaltsausschuss zufolge soll sich der Stückpreis binnen weniger Jahre etwa verdoppelt haben – von rund 142.000 auf etwa 291.000 Euro (kurierverlag.de). Nach einer ersten Teillieferung stoppte der Ausschuss weitere Käufe vorerst.
Der Kontext: historische Mehrausgaben
Die Warnungen fallen in eine Phase nie dagewesener Verteidigungsausgaben. Der Wehretat liegt in diesem Jahr in der Größenordnung von gut 100 Milliarden Euro – mehr als das Doppelte des Niveaus vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Auf das befristete 100-Milliarden-Sondervermögen folgte eine Lockerung der Schuldenregel, die laut Rechnungshof einen „dauerhaften, schuldenbasierten Spielraum" für die Bundeswehr schafft. Vor dem Hintergrund der NATO-Zusagen sollen die Anstrengungen sogar noch steigen – was den Druck auf eine funktionierende Preiskontrolle erhöht.
Einordnung
Schnelle Aufrüstung und sparsames Wirtschaften geraten in Konflikt. Zeitdruck und schiere Volumina erleichtern es der Industrie, höhere Preise durchzusetzen – während der Bundeswehr oft das Personal fehlt, um jeden Preis gründlich zu prüfen. Die Botschaft von Rechnungshof und Haushältern ist eindeutig: Mehr Geld allein macht die Truppe nicht einsatzbereit. Ohne echten Wettbewerb und harte Preiskontrolle droht ein Teil der Milliarden zu verpuffen.



