Die deutsche Wirtschaft kommt nicht aus der Krise – und die Zahl der Firmenpleiten klettert auf einen Wert, den es zuletzt vor mehr als einem Jahrzehnt gab. Nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform haben im ersten Halbjahr 2026 rund 12.900 Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt. Das sind knapp acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Wert seit dem ersten Halbjahr 2013, als 13.310 Fälle gezählt wurden.

Welche Branchen es trifft

Den größten Anteil trägt der Dienstleistungssektor: Knapp 7.900 Insolvenzen entfielen im ersten Halbjahr auf diesen Bereich, darunter zahlreiche Betriebe aus dem Gastgewerbe. Auffällig ist zudem, dass es nicht mehr nur die Kleinen trifft: Bei großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten stieg die Zahl der Insolvenzen überdurchschnittlich um 28,6 Prozent.

Die amtliche Statistik bestätigt den Trend: Das Statistische Bundesamt zählte im März 2026 ein Plus von 15,8 Prozent bei den beantragten Unternehmensinsolvenzen gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die Ursachen

Hinter der Pleitewelle steht ein Bündel von Belastungen. Die deutsche Konjunktur tritt seit Jahren auf der Stelle, die Nachfrage lässt nach, und gestiegene Energie-, Material- und Lohnkosten drücken auf die Margen. Hinzu kommen die nach der Zinswende weiterhin spürbar höheren Finanzierungskosten, die vor allem ohnehin angeschlagene Betriebe in die Zahlungsunfähigkeit treiben. Viele Firmen, die sich in den Krisenjahren noch durchgeschleppt hatten, geben nun auf.

Folgen für Beschäftigte und Gläubiger

Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: Durch die Insolvenzen des ersten Halbjahres 2026 stehen nach Creditreform-Angaben rund 165.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Auch die den Gläubigern drohenden Schäden bewegen sich im zweistelligen Milliardenbereich und dürften mit der wachsenden Zahl großer Pleiten weiter steigen. Denn je größer das insolvente Unternehmen, desto höher die offenen Forderungen von Lieferanten, Banken und Beschäftigten.

Einordnung und Ausblick

Ein schnelles Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, betont, der „Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht". Eine Stabilisierung erwartet er erst, wenn die Wirtschaft wieder wächst – „frühestens 2027". Hoffnung machen die geplanten milliardenschweren Investitionen des Bundes in Infrastruktur und Verteidigung, die das Wachstum anschieben und den Anstieg der Insolvenzen bremsen könnten. Bis sich das in den Bilanzen der Unternehmen niederschlägt, dürfte die Pleitewelle die deutsche Wirtschaft jedoch weiter begleiten.