Bier ist ein globales Milliardengeschäft – und doch ein schrumpfendes. Der jährliche BarthHaas-Bericht, die wichtigste Branchenstatistik der Hopfenwirtschaft, zeichnet ein klares Bild: Der Ausstoß der 40 größten Braugruppen der Welt geht zurück. Inmitten dieser Talfahrt sticht ein deutsches Unternehmen heraus, das kräftig zulegt.
Wer die Großen sind
An der Spitze der Branche thront unangefochten der belgisch-brasilianische Riese AB InBev, zu dem Marken wie Budweiser, Corona und Beck's gehören. Sein Ausstoß lag zuletzt bei 484,19 Millionen Hektolitern (minus 2,5 Prozent) – mehr als das Doppelte des Verfolgers. Auf Rang zwei folgt der niederländische Konzern Heineken mit 235,65 Millionen Hektolitern (minus 2,1 Prozent), dahinter die chinesische China Res. Snow Breweries mit 110,30 Millionen Hektolitern (plus 1,4 Prozent), deren Hauptmarke Snow vor allem im Riesenmarkt China verkauft wird.
Dahinter reihen sich Schwergewichte wie Carlsberg, Asahi, Molson Coors und die chinesische Tsingtao-Brauerei ein. Allein die drei Marktführer stehen für mehr als die Hälfte des gesamten Top-40-Ausstoßes – der wiederum seit mehreren Jahren rückläufig ist.
Der deutsche Außenseiter
Deutschland ist mit sechs Brauereien in den globalen Top 40 vertreten. Größter deutscher Vertreter ist die Radeberger Gruppe (Platz 25), gefolgt von der Paulaner Gruppe (Platz 29), der TCB Beteiligungsgesellschaft (Platz 30), der Oettinger Gruppe (Platz 32), der Krombacher Gruppe (Platz 33) und der Bitburger Braugruppe (Platz 35).
Während die meisten dieser Häuser Federn lassen mussten, gelang Paulaner das Kunststück, gegen den Strom zu schwimmen: Die Münchner steigerten ihren Ausstoß um beachtliche 14,8 Prozent und rückten in der Weltrangliste vor. Getragen wird der Erfolg vom Exportgeschäft und von der globalen Strahlkraft bayerischer Bierkultur samt Oktoberfest-Image – während der Heimatmarkt schrumpft.
Warum das Bier weniger wird
Der Gegenwind ist strukturell. In Deutschland ist der Pro-Kopf-Verbrauch laut Statista von fast 130 Litern im Jahr 1995 auf nur noch rund 88 Liter (2024) gefallen. Jüngere Generationen trinken bewusster, demografischer Wandel und wachsendes Gesundheitsbewusstsein drücken zusätzlich auf den Absatz.
Einen Lichtblick gibt es aber: alkoholfreies Bier. Dessen Produktion hat sich binnen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt; Deutschland gilt mit mehreren Hundert alkoholfreien Marken als Weltspitze. Während alkoholhaltiges Pils Marktanteile verliert, legen alkoholfreie Varianten teils zweistellig zu.
Einordnung
Die Rangliste zeigt eine paradoxe Branche: Die Konzerne werden durch Übernahmen größer und mächtiger, gleichzeitig schrumpft der Markt, den sie bedienen. Für deutsche Brauer heißt die Antwort Export, Spezialisierung und alkoholfreie Produkte. Paulaner beweist, dass auch in einem rückläufigen Geschäft Wachstum möglich ist – wenn die Marke stark genug ist und über die Landesgrenzen hinaus zieht. Der globale Trend bleibt dennoch eindeutig: Die große Zeit des reinen Mengenwachstums beim Bier ist vorbei.



