Es waren bittere Stunden für den Vorstand: Auf der Hauptversammlung der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG am 23. Juni entlud sich der Frust der Anteilseigner. Ingo Speich, Nachhaltigkeitschef der Fondsgesellschaft Deka, fand das Bild, das über der Veranstaltung hing: „Wir Aktionäre blicken heute auf Porsche und sehen einen Scherbenhaufen." Glaube an den neuen Chef äußerte er dennoch.

Worüber die Aktionäre wüten

Der Anlass für den Zorn liegt auf der Hand. Der Überschuss des Sportwagenbauers brach zuletzt um rund 91 Prozent auf nur noch 310 Millionen Euro ein. Belastend wirkten ein schwaches China-Geschäft, die US-Zollpolitik, die nachlassende Nachfrage nach E-Modellen und vor allem der teure Strategieschwenk: Die einst forsche Elektro-Offensive wurde zugunsten von mehr Verbrennern zurückgenommen – das kostete Milliarden und gilt vielen Investoren als Zeichen struktureller, nicht bloß konjunktureller Probleme.

Kritisiert wurde vor allem die späte Reaktion der Konzernspitze – etwa die lange beibehaltene Doppelrolle des früheren Vorstandschefs Oliver Blume, der gleichzeitig Porsche und den Mutterkonzern Volkswagen führte. Seit dem Börsengang im September 2022 ist die Aktie weit hinter die Leitindizes zurückgefallen und hat vom Höchststand aus betrachtet rund die Hälfte ihres Werts verloren.

Was der neue Chef ankündigt

Seit Januar steht Michael Leiters an der Spitze. Er bestätigte die Jahresprognose und kündigte einen radikalen Umbau an. Sein zentrales Eingeständnis: Das Portfolio sei „zu komplex geworden". Die Zahl der Modellvarianten soll sinken, die Synergien mit den Plattformen von Volkswagen will Leiters stärker nutzen. Mehrere Töchter werden abgewickelt, darunter die Batteriesparte Cellforce und der Software-Spezialist Cetitec.

Zugleich nahm Leiters die Belegschaft in die Pflicht: Laut einem Bericht der FAZ forderte der Vorstandschef mehr Fleiß und Leistungsbereitschaft von seinen Mitarbeitern – eine Botschaft, die intern für Unmut sorgen dürfte, während zugleich Tausende Stellen wegfallen. Allein in der Region Stuttgart sind bis 2029 rund 1.900 Stellen zum Abbau vorgesehen.

Hintergrund und Einordnung

Die Krise ist auch eine Folge der verschachtelten Konzernstruktur. Über der Porsche AG thront die Porsche Automobil Holding SE, die zugleich Großaktionärin von Volkswagen ist – ein Geflecht, in dem die Familien Porsche und Piëch die Fäden ziehen. Lange profitierte der Sportwagenbauer von der Nähe zu VW; nun zeigt sich die Kehrseite. Für Leiters bedeutet das: Er muss die Marge stabilisieren, ohne den Mythos der Marke zu beschädigen – in einem Umfeld aus schwächelndem China-Geschäft, US-Zöllen und einer langsamer als erhofft anlaufenden E-Mobilität. Dass selbst Kritiker wie Speich ihm vorsichtig Kredit einräumen, zeigt: Die Geduld der Aktionäre ist nicht aufgebraucht – aber sie ist endlich.