Ein Roboter, der nicht viel größer ist als ein Weinkorken und im geöffneten Mund Zähne für eine Krone schleift: Was nach Science-Fiction klingt, haben Forschende der Universität Basel als funktionsfähigen Prototyp gebaut. Das Gerät heißt MIR – kurz für Miniature Intraoral Robot – und soll Zahnärztinnen und Zahnärzte künftig bei einem der häufigsten Eingriffe entlasten.

Was MIR kann

Entwickelt wurde MIR am Department of Biomedical Engineering der Universität Basel unter Leitung von Georg Rauter. Das Gerät misst nur rund 4,3 × 2,6 × 2,8 Zentimeter und passt damit in den geöffneten Mund. Seine Aufgabe: die Präparation eines Zahns für eine Krone. Dazu trägt MIR mit einem breiten Bohrer zunächst Material an der Kaufläche ab und glättet anschließend mit einem dünneren Bohrer die Seitenflächen.

Wichtig: MIR ist noch kein vollautonomer „Roboter-Zahnarzt". Er arbeitet assistierend und nach einem zuvor erstellten digitalen Plan. Gefördert wurde das Projekt von der Schweizer Innovationsagentur Innosuisse, gemeinsam mit Dentalfachleuten und Industriepartnern.

Wie er funktioniert

Am Anfang steht ein digitaler Scan des Gebisses. Daraus wird nicht nur die Krone geplant, sondern auch eine maßgefertigte Schiene gefertigt, an der MIR im Mund befestigt wird. Bewegt die Patientin den Kopf, bewegt sich der Roboter mit – das hält die Position stabil. Motoren und Steuereinheit bleiben außerhalb des Mundes und sind über flexible Wellen und Schläuche mit dem Werkzeug verbunden. Bemerkenswert ist die Präzision: In Versuchen blieb der Positionsfehler unter 0,2 Millimetern – und das, obwohl der Prototyp bislang weder Positionssensoren noch eine aktive Korrektur besitzt. Genau das soll sich ändern: Geplant sind Sensoren, eine Kamera und eine Lageüberwachung in Echtzeit.

Kontext: Automatisierung trifft Zahnärztemangel

MIR ist Teil eines größeren Trends. Solche Ansätze treffen auf einen realen Bedarf: In Deutschland geht Prognosen zufolge bis 2030 etwa jeder zweite Zahnarzt in den Ruhestand, und gerade auf dem Land wird die Versorgung knapper. Robotik könnte helfen, knappe Behandlungszeit effizienter zu nutzen – etwa indem die Krone schon im ersten Termin geplant und präzise vorbereitet wird.

Chancen und Bedenken

Die Vorteile liegen auf der Hand: gleichbleibende Präzision, weniger Termine, planbare Abläufe. Doch bis zum Einsatz am Patienten ist es weit. MIR wurde bislang ausschließlich an Modellen aus Kunstharz und Keramik getestet, nicht am Menschen. Offen sind Sicherheitsfragen, die Akzeptanz von Patienten und Behandlern sowie die regulatorische Zulassung.

Einordnung

MIR ist ein vielversprechender Forschungsprototyp, kein Marktprodukt. Sein Wert liegt in der Idee, hohe Präzision in einem winzigen, mundtauglichen Format ohne teure Sensorik zu erreichen. Ob daraus Praxisalltag wird, entscheidet sich erst mit klinischen Tests und Zulassung – realistisch ein Weg von Jahren.