Der US-Softwarekonzern Oracle hat in seinem im Mai 2026 zu Ende gegangenen Geschäftsjahr massiv Personal abgebaut. Aus einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass die weltweite Belegschaft von rund 162.000 auf etwa 141.000 Mitarbeitende geschrumpft ist – ein Minus von rund 21.000 Stellen oder knapp 13 Prozent innerhalb eines Jahres.
Woher die „alle 25 Minuten"-Rechnung stammt
Die zugespitzte Formel ist simple Arithmetik: Ein Jahr hat rund 525.600 Minuten. Verteilt man 21.000 gestrichene Stellen gleichmäßig darüber, ergibt das rechnerisch einen wegfallenden Arbeitsplatz alle etwa 25 Minuten. Die Zahl entstammt nicht einer Oracle-Mitteilung, sondern ist eine veranschaulichende Hochrechnung auf Basis der in der SEC-Meldung ausgewiesenen Beschäftigtenzahlen. Sie beschreibt also einen Netto-Effekt über zwölf Monate, keinen tatsächlichen Takt einzelner Kündigungen.
Welche Bereiche betroffen sind
Den Unterlagen zufolge verteilt sich der Abbau breit über den Konzern – in den USA wie international, von Vertrieb und Marketing über Forschung und Entwicklung bis zu Verwaltung und Hardware. Berichte über eine besonders harte Welle im Frühjahr 2026 kursieren ebenfalls; einzelne Quellen nennen deutlich höhere Zahlen von bis zu 30.000 Betroffenen, die sich aber vermutlich auf Brutto-Kündigungen statt auf den Netto-Rückgang beziehen.
Der Grund: Milliarden für KI-Rechenzentren
Der Stellenabbau fällt mitten in eine der größten Investitionsoffensiven der Konzerngeschichte. Oracle pumpt enorme Summen in den Ausbau von Rechenzentren für KI-Training und -Betrieb. Die Investitionsausgaben sollen sich im Geschäftsjahr 2026 auf eine Größenordnung von rund 50 Milliarden Dollar belaufen, für das Folgejahr ist sogar von noch deutlich höheren Summen die Rede. Diese kapitalintensive Strategie drückt auf den freien Cashflow und erhöht den Druck, an anderer Stelle – etwa bei den Personalkosten – zu sparen.
Boom und Druck zugleich
Wirtschaftlich steckt Oracle nicht in einer Krise: Die Cloud-Sparte wächst rasant, und die noch nicht abgearbeiteten Auftragsbestände erreichten zuletzt Rekordwerte, getrieben von großen KI-Verträgen. An der Börse blieb die Euphorie dennoch fragil – Anleger wägen das hohe Investitionsrisiko gegen die Wachstumsfantasie ab.
Einordnung: Stellenabbau trotz KI-Hype
Oracle steht mit dem Muster nicht allein. Quer durch die Tech-Branche bauen Konzerne Personal ab, während sie gleichzeitig zweistellige Milliardenbeträge in KI-Infrastruktur stecken. Die Botschaft dahinter ist unbequem: Der KI-Boom schafft zwar gewaltige Umsätze und Rechenzentren, aber nicht zwangsläufig Arbeitsplätze – im Gegenteil dient der Sparkurs beim Personal oft dazu, die teuren KI-Wetten zu finanzieren. Oracles Fall zeigt exemplarisch, wie ein Konzern mitten im Wachstum Tausende Jobs streichen kann.



