Wer einen Facharzttermin braucht, kennt das Problem: lange Wartezeiten, Telefonschleifen, ein Flickenteppich aus Buchungsportalen. Eine gesetzliche Krankenkasse will das nun bequemer machen – und integriert die Terminbuchung direkt in ihre eigene App.
Welche Kasse – und was die App kann
Die SBK Siemens-Betriebskrankenkasse ist nach eigenen Angaben die erste gesetzliche Krankenkasse in Deutschland, die einen Arztterminservice fest in ihre App „Meine SBK" einbaut. Versicherte können dort Termine bei Haus- und Fachärztinnen, Psychotherapeutinnen sowie in der Kinder- und Jugendmedizin suchen, buchen und verwalten – ohne die App zu verlassen.
Wichtig: Anders als oft vermutet steckt kein privater Anbieter wie Doctolib oder Jameda dahinter. Genutzt wird die offizielle 116117-Infrastruktur der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), also der etablierte Terminservice der ärztlichen Selbstverwaltung. Die SBK hat dafür eine eigene Oberfläche entwickelt; die Arbeit daran dauerte rund zehn Monate.
Wie es funktioniert
Die Buchung klappt mit oder ohne Vermittlungscode. Für den Zugang sind eine Zwei-Faktor-Authentifizierung und eine hinterlegte E-Mail-Adresse nötig. Praktisch für Familien: Auch Termine für Angehörige unter 15 Jahren lassen sich buchen. Das Angebot richtet sich zunächst an SBK-Versicherte – die Kasse versteht ihr Projekt aber ausdrücklich als „Blaupause" für andere Kassen.
Datenschutz
Die SBK betont einen eng begrenzten Datenfluss: Ausgetauscht werden im Wesentlichen Basis-Stammdaten wie Name und Kontaktdaten. Die eigentlichen Buchungsdaten bleiben bei den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Praxen; die Kasse speichert nur Vermittlungscode und Termindatum. So soll vermieden werden, dass eine Krankenkasse detaillierte Gesundheits- oder Behandlungsinformationen ihrer Versicherten einsehen kann.
Einordnung: Digitalisierung trifft Terminnot
Der Schritt fällt in eine Phase, in der die Politik die digitale Terminvergabe vorantreibt: Die 116117-App soll zur zentralen digitalen Anlaufstelle für Arzttermine ausgebaut werden, flankiert von gesetzlichen Vorgaben für standardisierte digitale Buchungsslots. Gerade bei der chronischen Terminnot in der fachärztlichen Versorgung könnte ein niedrigschwelliger, kassennaher Zugang spürbar entlasten.
Grenzen und Kritik
Das Angebot deckt nur ab, was die 116117-Infrastruktur vermittelt – nicht jede Praxis bietet dort buchbare Slots an. Kommerzielle Portale stehen ohnehin in der Kritik: Verbraucherschützer bemängeln bei Doctolib und Jameda Intransparenz und schwer auffindbare Termine. Ob die Kassenlösung wirklich mehr freie Termine schafft oder vor allem bestehende bündelt, muss sich im Alltag zeigen – ebenso, ob andere Kassen nachziehen. Klar ist: Die SBK liefert einen pragmatischen, datensparsamen Baustein für die Gesundheitsdigitalisierung. Der eigentliche Mehrwert hängt davon ab, wie viele Praxen mitmachen.



