Die Deutsche Bahn bekommt einen neuen Finanzchef: Michael Obrowski, bislang Manager bei Volkswagen, soll in den Vorstand des Staatskonzerns einziehen. Der Aufsichtsrat sollte die Personalie nach übereinstimmenden Berichten am Donnerstag bestätigen (Handelsblatt).
Wer Michael Obrowski ist
Obrowski ist kein Quereinsteiger, sondern ein erfahrener Konzernfinanzer. Seit 1995 arbeitet er für Volkswagen, wo er zunächst im Controlling tätig war und später die Controlling-Abteilung der Konzernmutter leitete. Zuletzt verantwortete er als Finanzvorstand die Finanzen der Tochter Volkswagen Nutzfahrzeuge. Gerade seine jahrzehntelange Erfahrung in einem Großkonzern mit traditionell starker Arbeitnehmervertretung gilt als wesentlicher Grund für seine Berufung – ein Feld, auf dem seine Vorgängerin scheiterte.
Wen er ablöst
Obrowski folgt auf Karin Dohm, die den Finanzvorstand erst im Dezember 2025 übernommen hatte und ihn nun nach nur rund vier Monaten wieder räumt. Dohm war es nach Darstellung des Tagesspiegels nicht gelungen, ein Vertrauensverhältnis zu den mächtigen Arbeitnehmervertretern aufzubauen; ein Versuch, die Tochter DB Services ohne Abstimmung aufzulösen, soll ihr zum Verhängnis geworden sein. Mit der Berufung Obrowskis wäre Bahnchefin Evelyn Palla die einzige Frau im fünfköpfigen Vorstand.
Die Lage der Deutschen Bahn
Obrowski übernimmt die Finanzen eines Konzerns in der Dauerkrise. Im vergangenen Jahr schrieb die Bahn einen Verlust von 2,3 Milliarden Euro; Palla will den Konzern in die Nähe einer schwarzen Null führen. Die Verschuldung bleibt hoch: Nach dem Verkauf der Logistiktochter DB Schenker konnte die Bahn ihre Schulden zwar deutlich senken, drückend bleiben sie mit rund 20 Milliarden Euro dennoch. Hinzu kommt die schwache Pünktlichkeit – das Ziel für 2026 wurde auf lediglich 60 Prozent gesenkt.
Seine Aufgaben
Auf Obrowski wartet damit ein dichtes Pflichtenheft. Er muss die finanzielle Sanierung vorantreiben und den Konzern Richtung schwarze Null steuern – und das im Schulterschluss mit den Arbeitnehmervertretern, an denen seine Vorgängerin scheiterte. Als konkrete Großbaustelle gilt zudem das Milliardenprojekt Stuttgart 21, das sich nach jüngsten Plänen bis Ende 2031 verzögert und dessen Kostenüberschreitungen er in den Griff bekommen muss. Die Sanierung der maroden Schiene bleibt damit die zentrale Bewährungsprobe des neuen Finanzchefs.



