Der Japankäfer (Popillia japonica) hat in Südhessen offenbar Fuß gefasst. Nach dem ersten Nachweis im Sommer 2025 wurden inzwischen mehrere weitere Exemplare gefangen. Der zuständige Pflanzenschutzdienst beim Regierungspräsidium Gießen geht nicht mehr von einem zufälligen, vereinzelten Auftreten aus, sondern von einer beginnenden Vermehrung in der Region.
Wo genau in Südhessen
Zentrum des Geschehens ist die Gemeinde Trebur im Kreis Groß-Gerau. Dort bestätigte sich im Sommer 2025 ein erster Verdachtsfall; weitere Tiere gingen anschließend in Lockstofffallen. Im Juni 2026 wurden am selben Ort erneut Käfer gefangen. Die Behörden haben rund um die Fundstellen zwei Zonen eingerichtet: eine Befallszone mit einem Radius von rund einem Kilometer und eine Pufferzone mit etwa sechs Kilometern Radius, die bis nach Rüsselsheim reicht.
Warum der Käfer so gefährlich ist
Der Japankäfer gilt als einer der gefürchtetsten Pflanzenschädlinge überhaupt. Die erwachsenen Tiere fressen an über 300 Wirtspflanzen – darunter wirtschaftlich bedeutende Kulturen wie Wein, Mais, Apfel und weiteres Obst. Sie schädigen Blätter, Blüten und Früchte, wobei sie das Gewebe zwischen den Blattadern wegfressen und ein typisches „Skelettieren" hinterlassen. Die Larven leben im Boden und fressen an Wurzeln, besonders an Rasen- und Grünflächen. Wegen dieses Schadpotenzials ist der Käfer in der EU als prioritärer Quarantäneschadorganismus eingestuft.
Woran man den Käfer erkennt
Der Japankäfer ist mit acht bis elf Millimetern relativ klein. Sein Halsschild schimmert metallisch goldgrün, die Flügeldecken sind kupferbraun. Das wichtigste Erkennungsmerkmal sind die weißen Haarbüschel: jeweils fünf seitliche Büschel pro Körperseite unterhalb der Flügeldecken sowie zwei weitere am hinteren Körperende. An diesen weißen Tupfen lässt er sich vom ähnlichen heimischen Gartenlaubkäfer unterscheiden.
Was Behörden und Bürger tun
Für 2026 haben das Julius Kühn-Institut und die Pflanzenschutzdienste der Länder den Notfallplan überarbeitet. In der Befallszone gelten unter anderem ein Bewässerungsverbot für Rasenflächen (es erschwert die Eiablage), Reinigungspflichten für erdberührte Geräte und Transportbeschränkungen für Pflanzen und Oberboden. Der Käfer ist meldepflichtig: Wer ein verdächtiges Tier entdeckt, sollte es möglichst einfangen, fotografieren und mit genauem Fundort dem Pflanzenschutzdienst Hessen melden. Bestätigte Funde lösen automatisch amtliche Bekämpfungsmaßnahmen aus.
Hintergrund
Der Japankäfer stammt ursprünglich aus Ostasien. In Europa wurde er um 2014 erstmals in der italienischen Region Lombardei nachgewiesen – vermutlich über den Flugverkehr eingeschleppt. Von dort breitete er sich über Norditalien aus und überquerte später die Grenze in die Schweiz. 2025 gelang ihm mit den Funden in Trebur der Sprung nach Deutschland. Ziel der Behörden ist es, eine dauerhafte Etablierung hierzulande zu verhindern.



