Als die Schlusssirene ertönte, lagen sich Spielerinnen, Trainer und Fans in den Armen. Dass die Fußballerinnen von Hertha BSC ihr Relegations-Rückspiel gegen den 1. FC Saarbrücken mit 2:3 verloren hatten, spielte keine Rolle mehr: Dank des 4:1-Erfolgs im Hinspiel war der Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt. Für einen Klub, der seine Frauenabteilung erst vor knapp drei Jahren ins Leben rief, ist das ein bemerkenswerter Sprung.
Der letzte Bundesligist zieht nach
Lange war Hertha BSC ein blinder Fleck auf der Landkarte des deutschen Frauenfußballs. Erst auf Initiative der Mitglieder beschloss der Verein im November 2022, eine eigene Abteilung aufzubauen – zu diesem Zeitpunkt der einzige Bundesligist ohne Frauen- und Mädchenfußball (Sportschau). Im Sommer 2023 ging es los: Hertha übernahm die Frauen- und Mädchenmannschaften von Hertha 03 Zehlendorf, weil eine DFB-Regel das Herauslösen einzelner Teams untersagte.
Während Vereine wie der VfL Wolfsburg, der FC Bayern oder die langjährige Berliner Größe Turbine Potsdam seit Jahrzehnten Titel sammeln, musste die „Alte Dame“ praktisch bei null beginnen. Genau das macht die schnelle Entwicklung so ungewöhnlich.
Der „Berliner Weg“
Geführt wird die Abteilung von Sofian Chahed, einst selbst Hertha-Profi und später Trainer bei Turbine Potsdam. Seit Juni 2023 baut er die Struktur auf: Heute zählt die Abteilung mehrere Leistungsteams von der ersten Mannschaft bis zu den jüngsten Altersklassen. Chaheds Philosophie setzt nicht auf teure Zukäufe, sondern auf Eigengewächse: talentierte Berlinerinnen sollen ausgebildet und an die erste Mannschaft herangeführt werden.
Trainiert wird unter anderem auf dem Olympiagelände, doch fehlende Kabinen und Duschen begrenzen das Wachstum bislang. Schon vor dem Aufstieg sprach Chahed offen von einem Infrastruktur-Problem (Tagesspiegel).
Ein Stadion am Limit – und große Pläne
Die Rechnung scheint dennoch aufzugehen. Als Meister der drittklassigen Regionalliga Nordost zog Hertha in die Aufstiegs-Relegation ein. Im entscheidenden Rückspiel verfolgten 4.203 Zuschauer das ausverkaufte Heimspiel; Torjägerin Elfie Wellhausen, mit 33 Saisontoren Schützenkönigin der Liga, traf schon nach wenigen Sekunden (DFB). Zum Vergleich: Im Ligaalltag kamen bislang nur einige Hundert Fans.
Das Fernziel ist klar formuliert. „Langfristig wollen wir mit Hertha BSC im professionellen Frauenfußball Fuß fassen. Das bedeutet für uns ganz klar die 1. Liga“, sagt Chahed laut Tagesspiegel. In der kommenden Saison trifft Hertha in der 2. Bundesliga unter anderem auf die U21 des 1. FC Köln und die U20 der TSG Hoffenheim, die ebenfalls aufstiegen. Für die Nachzüglerinnen beginnt damit das nächste Kapitel einer überraschend schnellen Aufholjagd.



