Es ist eine Zäsur beim erfolgreichsten Verein des deutschen Handballs: Der THW Kiel und Cheftrainer Filip Jicha gehen getrennte Wege. Der Rekordmeister bestätigte die Trennung am Montag, 22. Juni 2026. Damit endet eine Trainer-Amtszeit, die 2019 begann und über weite Strecken von großen Titeln geprägt war – zuletzt aber von Enttäuschungen.

Eine sportliche Talfahrt als Auslöser

Den Ausschlag gab die jüngste Saison. Die „Zebras“ landeten in der Bundesliga zum dritten Mal in Folge nur auf Rang sechs und verpassten damit erneut die Qualifikation für die Champions League. Besonders schwer wiegt: Erstmals seit 33 Jahren wird der THW Kiel in der kommenden Spielzeit in keinem europäischen Wettbewerb vertreten sein – sportlich wie wirtschaftlich ein herber Einschnitt.

Geschäftsführer Viktor Szilagyi begründete die Entscheidung mit der Entwicklung der vergangenen Monate. „Der Ballast der sportlichen Entwicklung in den letzten Monaten wiegt dafür zu schwer“, wurde er zitiert (Tagesspiegel). Pikant: Erst im Oktober 2025 hatte der Verein Jichas Vertrag vorzeitig bis 2028 verlängert.

Vom Weltklasse-Spieler zum Titeltrainer

Die Personalie hat in Kiel eine besondere Note, denn Jicha ist eng mit dem Klub verbunden. Der 44 Jahre alte Tscheche stand bereits als Spieler von 2007 bis 2015 für den THW auf der Platte und zählte in jenen Jahren zu den besten Rückraumspielern der Welt. 2019 kehrte er als Cheftrainer zurück.

Seine Bilanz auf der Bank kann sich sehen lassen: Unter Jicha gewann der THW Kiel 2020 die Champions League sowie dreimal die deutsche Meisterschaft (2020, 2021 und 2023). Hinzu kamen zwei Erfolge im DHB-Pokal (2022 und 2025). Gerade vor diesem Hintergrund markiert die jüngste Durststrecke ohne internationale Spitzenplatzierungen einen deutlichen Kontrast.

Børge Lund als Nachfolger im Gespräch

Als Nachfolger gilt nach übereinstimmenden Medienberichten der Norweger Børge Lund als Top-Kandidat. Der 47-Jährige trainiert seit 2020 den norwegischen Klub Elverum Håndball und kennt Kiel ebenfalls aus eigener Erfahrung: Von 2007 bis 2010 spielte er selbst für den THW. Eine offizielle Verkündung des neuen Cheftrainers stand zum Zeitpunkt der Trennungsmeldung noch aus (handball-world).

Einordnung: Rekordmeister unter Druck

Der THW Kiel ist mit Abstand der erfolgreichste deutsche Handballverein. Umso schwerer wiegt das jetzige Tal: Drei Jahre ohne Champions-League-Teilnahme und der bevorstehende komplette Verzicht auf den Europacup setzen den Klub unter Zugzwang. Der Trainerwechsel soll den Neuanfang einleiten – sportlich wie strukturell.