Deutschland steuert auf eine demografische Zäsur am Arbeitsmarkt zu. Nach neuen Auswertungen des Statistischen Bundesamtes auf Basis des Mikrozensus verlässt in den kommenden 15 Jahren rund ein Drittel der heute verfügbaren Erwerbspersonen den Arbeitsmarkt. Der Befund ist deutlich: Die jüngeren Jahrgänge können diese Lücke zahlenmäßig nicht schließen.

Was die Zahlen sagen

Bis 2040 werden rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren überschritten haben. Das entspricht etwa 30 Prozent aller Erwerbspersonen, die dem Arbeitsmarkt zuletzt zur Verfügung standen – also fast einem Drittel.

Die Größenordnung wird im Generationenvergleich greifbar: Die 55- bis 59-Jährigen stellen mit rund 5,5 Millionen die stärkste Altersgruppe, hinzu kommen etwa 4,5 Millionen der 60- bis 64-Jährigen. Die nachrückenden jüngeren Jahrgänge fallen jeweils schwächer aus. „Jüngere Altersgruppen werden die Babyboomer zahlenmäßig nicht ersetzen können", fasst das Bundesamt das Kernproblem zusammen.

Diese Branchen trifft es besonders hart

Der Aderlass verteilt sich nicht gleichmäßig. In einer gesonderten Auswertung zeigte das Statistische Bundesamt bereits, dass in vielen Mangelberufen überdurchschnittlich viele Beschäftigte 55 Jahre oder älter sind – im Schnitt aller Berufe liegt dieser Anteil bei rund 25 Prozent.

Besonders ausgeprägt ist die Alterung im Verkehrssektor: Bei Bus- und Straßenbahnfahrerinnen und -fahrern sind 44 Prozent mindestens 55 Jahre alt, im Güterkraftverkehr rund 39 Prozent. Auch der Gartenbau (34 Prozent), das Maurerhandwerk (30 Prozent) und die Altenpflege (27 Prozent) sind stark betroffen. Nach Wirtschaftszweigen führen das Grundstücks- und Wohnungswesen sowie Land- und Forstwirtschaft und Verkehr/Lagerei die Liste an.

Hintergrund: Die Babyboomer gehen

Ursache ist der demografische Wandel. Die geburtenstarken Jahrgänge der späten 1950er- bis Anfang der 1970er-Jahre erreichen nun in dichter Folge das Rentenalter. Weil die Geburtenzahlen danach dauerhaft niedriger lagen, fehlt der Nachwuchs, um die ausscheidenden Kräfte eins zu eins zu ersetzen. Gebremst wurde der Effekt zuletzt durch die steigende Erwerbsbeteiligung Älterer: Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen kletterte zwischen 2014 und 2024 um zehn Prozentpunkte auf rund 75 Prozent. Dieser Puffer ist aber weitgehend ausgereizt.

Welche Gegenmaßnahmen diskutiert werden

Ökonomen und Politik setzen auf mehrere Hebel gleichzeitig. Zentral ist die qualifizierte Zuwanderung: Das reformierte Fachkräfteeinwanderungsgesetz mit der „Chancenkarte" soll den Zuzug aus Drittstaaten erleichtern, wie der Mediendienst Integration zusammenfasst. Hinzu kommen längere Lebensarbeitszeiten, eine stärkere Einbindung von Frauen und Teilzeitkräften sowie Automatisierung und Digitalisierung, um den Personalbedarf je Arbeitsplatz zu senken. Klar ist nach Lesart der Daten: Kein einzelner Hebel wird ausreichen, um eine Lücke dieser Dimension zu füllen.