Ein seltenes Lob aus München
Es ist eine Wortmeldung, die aufhorchen lässt: Uli Hoeneß, in den vergangenen Monaten einer der schärfsten Kritiker der Nationalmannschaft und ihres Trainers, hat Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem Auftritt bei der Weltmeisterschaft 2026 ausdrücklich gelobt. Anlass ist der 2:1-Sieg der DFB-Auswahl gegen die Elfenbeinküste, mit dem Deutschland in der Gruppe vorzeitig den ersten Platz sicherte.
„Man muss festhalten, dass Deutschland gestern kämpferisch Unglaubliches geleistet hat“, sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern München laut Tagesspiegel. Mit Blick auf die Personalentscheidungen des Bundestrainers fügte er hinzu: „Wenn sie allerdings so zu einer Mannschaft zusammenwachsen, und der Trainer immer so gut austauscht wie gestern, dann könnte es etwas werden.“ Bei aller Zuversicht mahnte Hoeneß zugleich, es seien „noch schwere Brocken“ bis zum Titel zu überwinden.
Der Joker Undav als Wendepunkt
Das Lob bezieht sich auf ein Spiel, das lange nicht nach Plan verlief. Gegen die Elfenbeinküste geriet Deutschland in Rückstand und tat sich über weite Strecken schwer, ehe Nagelsmann mit einem Dreifachwechsel reagierte und frische Offensivkräfte brachte. Vor allem die Hereinnahme von Deniz Undav erwies sich als entscheidend: Der Stürmer des VfB Stuttgart, von der Sportschau als „perfekter Joker“ bezeichnet, glich zunächst aus und traf in der Schlussphase zum vielumjubelten Siegtreffer. Damit erreichte die deutsche Mannschaft erstmals seit dem WM-Titel 2014 wieder die K.-o.-Runde einer Weltmeisterschaft.
Vom Dauerkritiker zum Lobredner
Die versöhnlichen Worte sind bemerkenswert, weil Hoeneß sich zuletzt als einer der prominentesten Kritiker Nagelsmanns positioniert hatte. In mehreren Interviews vor dem Turnier hatte er dem Bundestrainer vorgeworfen, ihm fehle die Bereitschaft zuzuhören. Dass nun ausgerechnet die Wechsel hervorgehoben werden – ein klassisches Feld taktischen Fingerspitzengefühls –, lässt sich als gezieltes Signal lesen: Der Bundestrainer scheint den Münchner Patriarchen mit seinem Krisenmanagement auf dem Platz überzeugt zu haben.
Debatte nicht beendet
Dennoch dürfte die Personaldebatte um den Bundestrainer mit einem einzelnen Erfolgserlebnis nicht abgeräumt sein. Die Mannschaft hatte sich auch zuvor schwergetan und brauchte die Wende von der Bank. Kritiker dürften einwenden, dass eine Elf, die erst durch Einwechslungen ins Spiel findet, in der Startformation noch nicht ihre beste Form gefunden hat. Hoeneß selbst lässt sich von der Euphorie nicht vollständig mitreißen: Sein Verweis auf die „schweren Brocken“ zeigt, dass das Lob an eine Bedingung geknüpft bleibt – die Hoffnung, dass Nagelsmann sein glückliches Händchen auch in der K.-o.-Phase behält.



