Deutschland galt lange als Bargeld-Nation. Diese Zuschreibung hat nun einen entscheidenden Riss bekommen. Nach der aktuellen Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025" der Deutschen Bundesbank wurden im vergangenen Jahr erstmals mehrheitlich bargeldlose Zahlungen registriert.

Die Kernzahlen: 55 zu 45

Gemessen an der Zahl der Transaktionen entfielen 55 Prozent aller erfassten Bezahlvorgänge auf bargeldlose Mittel, nur noch 45 Prozent wurden bar beglichen. Zur Einordnung: 2023 lag der Bargeldanteil noch bei rund 51 Prozent. Die Trendwende ist damit unübersehbar.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Häufigkeit und Wert. Bei der Zahl der Vorgänge hat das Bargeld die Mehrheit verloren – beim Umsatz sieht das Bild anders aus. Nach dem Bezahlwert führt die Debitkarte mit 28 Prozent (ein Rückgang von vier Prozentpunkten gegenüber 2023), während Bargeld und Überweisungen mit jeweils 23 Prozent gleichauf liegen. Bargeld dominiert also weiterhin die vielen kleinen Beträge des Alltags, während größere Summen längst überwiegend digital fließen.

Karte vorn, Smartphone holt auf

Unter den einzelnen Zahlungsmitteln bleibt die Debitkarte – in Deutschland vor allem die Girocard – das wichtigste bargeldlose Instrument: 26 Prozent aller Vorgänge liefen über sie. Den deutlichsten Sprung legte das mobile Bezahlen hin: Zahlungen per Smartphone oder Smartwatch kamen auf 10 Prozent und legten gegenüber 2023 um vier Prozentpunkte zu. Online-Bezahlverfahren erreichten sechs Prozent. Treiber sind populäre Wallet-Dienste wie Apple Pay und Google Pay sowie etablierte Online-Bezahldienste.

Mehr Akzeptanz, mehr Gewohnheit

Hinter dem Umbruch steht ein Zusammenspiel aus Angebot und Gewohnheit. An 86 Prozent der erfassten Vor-Ort-Käufe war eine bargeldlose Zahlung überhaupt möglich – fünf Prozentpunkte mehr als 2023. Die kontaktlose Kartenzahlung an der Kasse, die in der Corona-Zeit zum Massenphänomen wurde, hat sich als Standard verfestigt.

Bargeld bleibt – gerade für viele unverzichtbar

Trotz der Trendwende ist das Ende des Bargelds nicht in Sicht. 80 Prozent der Befragten halten es für wichtig, auch künftig bar zahlen zu können; an 94 Prozent der Geschäfte war eine Barzahlung weiterhin möglich. Die Bundesbank betont zudem die soziale Dimension: Ältere Menschen, Personen mit geringem Einkommen oder wenig digitaler Erfahrung sind stärker auf Bargeld angewiesen. Für die Notenbank ist Bargeld deshalb kein Auslaufmodell, sondern ein kostengünstiges und inklusives Zahlungsmittel. Die Botschaft der Studie lautet damit nicht „Bargeld ade", sondern: Deutschland wird digital – aber niemand soll dabei zurückgelassen werden.