Der Vorwurf: Apple schreibt allen iOS-Browsern WebKit vor
Auf dem iPhone müssen alle Browser dieselbe Engine verwenden – Apples WebKit. Das gilt nicht nur für Safari, sondern auch für Chrome, Edge und Firefox: Was sich auf iOS „Chrome“ oder „Firefox“ nennt, ist im Kern nur eine andere Oberfläche um WebKit herum. Damit hat Apple lange Zeit faktisch jeden Engine-Wettbewerb auf seiner Plattform unterbunden. Microsoft hat nun Daten vorgelegt, die zeigen sollen, was dieser Zwang die Nutzer an Geschwindigkeit kostet.
Die 30-Prozent-Zahl und woher sie stammt
Kyle Pflug, Group Product Manager im Edge-Team, veröffentlichte Mitte Juni 2026 Messwerte eines Forschungsprototyps von Edge, der mit der quelloffenen Blink-Engine läuft – gebaut mit Apples eigenem BrowserEngineKit. Im Antwortzeit-Benchmark Speedometer 3.1 erreichte der Blink-Prototyp auf einem iPhone laut heise online einen Wert von 49,27 gegenüber 38,3 bei Safari – ein Vorsprung von 28,6 Prozent. Hinzu kommen rund 13 Prozent mehr JavaScript- und WebAssembly-Durchsatz im JetStream-3-Test.
Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich um einen Forschungsprototyp, nicht um ein fertiges Produkt. Die Werte stammen von Pflugs persönlichem Gerät, nicht aus einem kontrollierten Labor, und Microsoft betont, dass es um laufende Forschung geht. Einen Termin für ein Blink-Edge auf iOS gibt es nicht.
Der DMA erlaubt Alternativen – warum es trotzdem keine gibt
Der EU-Digital Markets Act (DMA) zwang Apple, fremde Browser-Engines grundsätzlich zuzulassen – allerdings nur in der EU (und in Japan). Genau dafür schuf Apple BrowserEngineKit. Praktisch hat dennoch kein Anbieter eine Nicht-WebKit-Engine ausgeliefert. Der Hauptgrund laut der Initiative Open Web Advocacy: Wer eine eigene Engine auf iOS ausliefern will, müsste seine bestehenden EU-Nutzer aufgeben und eine separate, regional begrenzte App-Variante pflegen. Das macht die Investition kommerziell unattraktiv. Apple gestalte die Auflagen, so der Vorwurf, „so schmerzhaft wie möglich“.
Apples Gegenposition
Apple hält dagegen, Anbieter wie Google und Mozilla hätten „alles, was sie brauchen“, und hätten sich schlicht gegen eine eigene Engine entschieden. Grundsätzlich begründet Apple die WebKit-Bindung mit Sicherheit und Datenschutz: Eine Browser-Engine verarbeite ständig nicht vertrauenswürdige Inhalte und sei ein bevorzugtes Angriffsziel; WebKit sei von Grund auf darauf ausgelegt. Kritiker entgegnen, Apple habe nie detailliert begründet, warum die Einschränkung verhältnismäßig und zwingend notwendig sei.
Fest steht: Solange sich an Apples EU-Bedingungen nichts ändert, dürften iPhone-Nutzer den möglichen Geschwindigkeitsgewinn vorerst nicht erleben.



