Vor der kroatischen Küste sind bei einer schweren Schiffskollision vier Menschen gestorben. Jetzt steht die Besatzung des Unglücksschiffs im Fokus der Ermittler: Der den Katamaran steuernde Erste Offizier sitzt in Untersuchungshaft und hat bei seiner Vernehmung ausgesagt – er fühle sich nicht schuldig.
Was geschah
Der Schnellkatamaran „Krilo Eclipse", ein im Linienverkehr eingesetztes Passagierschiff, stieß in der engen, stark befahrenen Meerenge zwischen den Inseln Brač und Šolta vor Split mit einem Segelboot zusammen. An Bord der unter französischer Flagge fahrenden Segelyacht befanden sich acht tschechische Staatsangehörige; vier von ihnen kamen ums Leben. Nach Darstellung kroatischer Medien sank das Segelboot nach dem Aufprall; die Leiche einer zunächst vermissten Person fanden Taucher später im Wrack.
Das Unglück selbst ereignete sich bereits vor gut einer Woche; die jüngste Entwicklung ist die richterliche Anordnung der Untersuchungshaft und die erste Vernehmung des Beschuldigten.
Die Rolle des Ersten Offiziers
Nach Angaben des kroatischen Innenministers Davor Božinović saß der Kapitän zum Zeitpunkt des Unglücks nicht am Steuer. Geführt wurde der Katamaran von dem 33-jährigen Ersten Offizier, der nach Einschätzung der Ermittler allein die Befehlsgewalt über das Schiff hatte. Der Kapitän wurde nicht festgenommen. Anders als manche Schlagzeile nahelegt, richtet sich das Verfahren also nicht gegen den Kapitän, sondern gegen den Ersten Offizier.
Ihm wird ein schweres Vergehen gegen die Sicherheit des Seeverkehrs zur Last gelegt. Die Ermittler vermuten, dass nicht alle erforderlichen Manöver ergriffen wurden, um den Zusammenstoß zu vermeiden, und gehen davon aus, dass der Offizier das Segelboot rechtzeitig hätte sehen müssen.
Untersuchungshaft und Aussage
Der zuständige Ermittlungsrichter am Gericht in Split ordnete einen Monat Untersuchungshaft an – begründet mit der Gefahr, der Beschuldigte könne Zeugen beeinflussen, konkret die weiteren Besatzungsmitglieder. Bei seiner Vernehmung machte der Offizier ausführliche Angaben. Seine Verteidigerin erklärte gegenüber kroatischen Medien, ihr Mandant habe den Sachverhalt detailliert geschildert und die Unfallverursachung bestritten; er stehe unter schwerem Schock. Zusammengefasst wird seine Haltung mit den Worten „Ich fühle mich nicht schuldig". Nach Angaben der Verteidigung ist der Mann bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten.
Was noch offen ist
Das Verfahren steht am Anfang. Über eine Anklage und ein mögliches Strafmaß ist noch nicht entschieden. Einzelne von kroatischen Medien genannte technische Details – etwa zu Geschwindigkeit oder Sicht – sind bislang nicht amtlich bestätigt. Die Behörden setzen die Untersuchung des Unglücks fort.



