US-Präsident Donald Trump hat per Dekret eine beschleunigte Entwicklung von Quantencomputern und deren Einsatz durch die amerikanische Regierung angeordnet. Damit will Washington im globalen Wettlauf um eine der wichtigsten Zukunftstechnologien nicht ins Hintertreffen geraten. Über die Anordnung berichtete unter anderem das Handelsblatt.
Was Trump konkret anordnet
Kern des Erlasses ist ein klares Ziel: Das US-Energieministerium soll einen Quantencomputer bekommen, der leistungsstark genug für anspruchsvolle Forschungsaktivitäten ist. Als Zielmarke nannte Michael Kratsios, der im Weißen Haus für Wissenschafts- und Technologiepolitik zuständige Trump-Vertraute, das Jahr 2028. Das Dekret selbst nennt allerdings keinen konkreten Zeitpunkt. Darüber hinaus sollen mehrere US-Behörden – darunter die Weltraumagentur NASA – Fünfjahrespläne für den Einsatz von Quantentechnologie ausarbeiten.
Das Dekret reiht sich in eine längere staatliche Förderstrategie ein. Bereits 2018 hatte der US-Kongress mit der National Quantum Initiative ein milliardenschweres Programm aufgelegt. Allein das Energieministerium betreibt fünf nationale Quantenforschungszentren, die zuletzt mit 625 Millionen Dollar bedacht wurden.
Warum Quantencomputer als so wichtig gelten
Quantencomputer nutzen Effekte der Quantenmechanik und sollen bestimmte Rechenaufgaben um ein Vielfaches schneller lösen als heutige Rechner. Erhofft werden Durchbrüche etwa bei der Entwicklung neuer Materialien, Medikamente oder Batterien. Allerdings stecken praktisch nutzbare, fehlerarme Systeme noch in der Entwicklung. Google etwa zählt zu den führenden Akteuren und hofft, bis zum Ende des Jahrzehnts praktisch einsetzbare Modelle zu bauen.
Genau diese Aussicht macht die Technologie auch zu einem sicherheitspolitischen Thema – und erklärt, warum Trumps Erlass einen ausdrücklichen Sicherheitsteil enthält.
Die Gefahr für heutige Verschlüsselung
Die größte Sorge: Ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer könnte gängige Verschlüsselungsverfahren, die heute noch als sicher gelten, vergleichsweise leicht knacken. Betroffen wären Online-Banking, vertrauliche Kommunikation und staatliche Geheimnisse gleichermaßen. Tech-Konzerne wie Apple und Google führen deshalb bereits neue, quantensichere Verschlüsselungstechniken ein.
Auf staatlicher Ebene treibt die US-Standardisierungsbehörde NIST diese Entwicklung voran: 2024 veröffentlichte sie die ersten finalen Standards für Post-Quanten-Kryptografie, an denen sich Behörden und Unternehmen nun orientieren. Trump ordnete zudem an, kritische US-Infrastruktur stärker gegen mögliche Angriffe mit Quantentechnologie abzusichern – Priorität sollen dabei Energieversorger und Wasserbetriebe haben.
Der globale Wettlauf mit China
Hinter dem Vorstoß steht der internationale Konkurrenzdruck. China investiert nach Einschätzung von Beobachtern erhebliche Summen in die Quantenforschung und gilt in mehreren Teilbereichen als ernsthafter Rivale der USA. Auch Europa mischt mit: Die EU fördert die Forschung über das milliardenschwere Quantum-Flagship-Programm, und Deutschland hat eine eigene Quantenstrategie mit Mitteln im Milliardenbereich aufgelegt.
Trumps Dekret ist damit weniger ein einzelner technischer Schritt als ein Signal: Die Großmächte betrachten Quantencomputer zunehmend als strategische Ressource – mit Folgen für Wissenschaft, Wirtschaft und nationale Sicherheit gleichermaßen.



