Der Paketmarkt in Deutschland verschiebt sich sichtbar weg von der klassischen Zustellung an die Haustür – hin zum Automaten an der Straßenecke, am Supermarkt oder an der Tankstelle. Sinnbild für diesen Wandel ist der herstellerunabhängige Betreiber Myflexbox, der sein Netz in hohem Tempo ausbaut.

Zahlen, die das Tempo zeigen

Myflexbox betreibt nach eigenen Angaben inzwischen rund 1.416 Stationen in Deutschland. Vor einem Jahr waren es erst 602, vor zwei Jahren sogar nur 244 Standorte. Das Unternehmen hat die Zahl seiner Automaten binnen zwölf Monaten also mehr als verdoppelt – und sich innerhalb von zwei Jahren fast versechsfacht. Im Heimatmarkt Österreich kommen weitere rund 700 Stationen hinzu.

Der entscheidende Unterschied zu manchem Wettbewerber: Myflexbox ist anbieterunabhängig. In den Schließfächern landen Sendungen verschiedener Dienste – das senkt die Hürde, einen Automaten überhaupt zu nutzen. Finanziert wird das Wachstum von Finanzinvestoren.

Auch DHL rüstet massiv auf

Marktführer bleibt die DHL mit ihren Packstationen: Rund 18.000 Stationen stehen bereits bundesweit, etwa 3.000 davon kamen allein seit Anfang 2025 hinzu. Bis 2030 will der Konzern sein Netz auf 30.000 Stationen ausbauen – also nahezu verdoppeln. Anders als Myflexbox sammelt DHL allerdings nur die eigenen Pakete ein.

Hinter dem Trend steht handfeste Ökonomie. Die Zustellung an die Wohnungstür gilt als der teuerste und ineffizienteste Teil der Lieferkette: Ein Bote kann an einer Station mehrere Sendungen auf einmal hinterlegen, statt jede einzeln durchs Treppenhaus zu tragen. Gescheiterte Zustellversuche entfallen, die Kosten auf der „letzten Meile" sinken.

Bequemlichkeit – für wen?

Für viele Kundinnen und Kunden zählt vor allem die Verfügbarkeit rund um die Uhr, unabhängig von Öffnungszeiten oder Anwesenheit zu Hause. Doch der Komfort verschiebt sich: Wer bisher auf die Haustürzustellung gesetzt hat, muss künftig häufiger selbst zum Automaten laufen. Das kann ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen benachteiligen. Zudem wird der Platz knapp – gerade in Städten konkurrieren mehrere Netze um die besten Standorte, was zu einem Wildwuchs an Schließfachschränken im öffentlichen Raum führen könnte.

Einordnung

Bei den enormen Paketmengen, die der Onlinehandel Jahr für Jahr produziert, ist die teure Einzelzustellung an die Tür wirtschaftlich kaum noch zu halten. Der Automat ist die Antwort der Logistikbranche auf steigende Mengen, Kostendruck und Personalmangel. Für Kundinnen und Kunden heißt das: Das Paket kommt künftig öfter ein Stück des Weges entgegen – das letzte Stück legen sie aber selbst zurück.