Es war einer jener Auftritte, auf die viele in den USA gewartet hatten: Am 18. Juni 2026 sprach der frühere US-Präsident Barack Obama bei der Eröffnung des nach ihm benannten Obama Presidential Center im Jackson Park an der Südseite von Chicago. Vor tausenden Gästen warb der Demokrat dafür, sich nicht von Resignation überwältigen zu lassen – und sorgte für hörbare Erleichterung im Publikum.

Ein Auftritt mit prominentem Publikum

Das Zentrum, das Obama mehr als ein Jahrzehnt nach der Standortentscheidung für seine Heimatstadt eröffnete, wurde als „home for hope“ gefeiert. An seiner Seite standen Ehefrau Michelle Obama sowie die Ex-Präsidenten Bill Clinton, George W. Bush und Joe Biden, wie Capitol News Illinois berichtet. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten Stars wie Bruce Springsteen, Stevie Wonder und John Legend.

Gegen Zynismus und Verzweiflung

In seiner Rede schlug Obama einen eindringlichen Ton an. Er räumte ein, dass es „verlockend“ sei, sich Zynismus und sogar Verzweiflung hinzugeben. Doch wenn die Bürgerinnen und Bürger aufhörten, an Wahlen und an die Kraft der gemeinsamen Stimme zu glauben, öffne das die Tür für „die Rücksichtslosesten, die Sorglosesten oder die Ängstlichsten unter uns“. Demokratie hänge von aktiver Teilhabe und vom Vertrauen der Menschen ineinander ab.

Obama beschwor gemeinsame Grundüberzeugungen, die über Parteigrenzen hinausreichten – etwa „den Glauben an die friedliche Übergabe der Macht, nachdem das Volk in freien und fairen Wahlen gesprochen hat“, und daran, dass niemand über dem Gesetz stehe. Es seien, betonte er laut Chicago Sun-Times, „amerikanische Werte, die wir alle teilen können, unabhängig von der Partei“.

Spitzen gegen Trump – ohne den Namen zu nennen

Den Namen seines Nachfolgers im Amt, Präsident Donald Trump, nahm Obama nicht in den Mund. Dennoch werteten Beobachter mehrere Passagen als deutliche Kritik. Mit Blick auf den bevorstehenden 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung erinnerte Obama daran, dass es im neuen Amerika „keine Könige oder Lords“ geben werde – eine Anspielung, die das US-Magazin TIME auf Trumps wiederholte Selbstbezüge als „König“ deutete. Trump war zu der Zeremonie nicht eingeladen.

Auch Michelle Obama bezog Stellung: Sie wandte sich gegen einwanderungsfeindliche Stimmung und mahnte mit Verweis auf die Unabhängigkeitserklärung, niemand habe das Recht, darüber zu urteilen, wer „amerikanisch genug“ sei.

Erleichterung im Publikum

Die Reaktionen im Saal waren laut übereinstimmenden Berichten zustimmend bis euphorisch. Der Sender CNN titelte, Obama habe die Zuhörer aufgerufen, dem „Zynismus und der Verzweiflung“ zu widerstehen. Für viele Anhänger wirkte der Auftritt wie ein Moment des Aufatmens in politisch aufgeladenen Zeiten. Obama selbst rahmte das Zentrum als Aufruf zu bürgerschaftlichem Engagement – und als Ort, an dem künftige Generationen lernen sollen, dass Hoffnung kein naiver Wunsch, sondern eine politische Entscheidung sei.