Diesel unter dem Wert vom Februar 2022

Gut vier Jahre nach Kriegsbeginn ist eine symbolische Marke gefallen: Diesel kostet an deutschen Tankstellen wieder weniger als unmittelbar vor dem russischen Überfall auf die Ukraine. Nach Auswertungen des ADAC lag der bundesweite Tagesdurchschnitt am Sonntag bei rund 1,738 Euro je Liter – und damit knapp unter dem Niveau vom 27. Februar 2022, dem letzten Handelstag vor Kriegsbeginn. Bereits am Freitag hatte der Preis mit etwa 1,733 Euro gut einen Cent unter dem Vorkriegswert gelegen, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf ADAC-Daten berichtet.

Der Rückgang ist Teil einer ausgeprägten Talfahrt: Laut Verkehrsrundschau verbilligte sich Diesel zuletzt an neun Tagen in Folge, allein in einer Woche um rund 7,6 Cent. Mitte Juni hatte der Liter noch bei etwa 1,776 Euro gelegen.

Benzin bleibt teurer als vor dem Krieg

Für Benzinfahrer fällt die Bilanz weniger erfreulich aus. Super E10 kostete am Sonntag im Schnitt rund 1,822 Euro je Liter und lag damit weiterhin etwa 4,4 Cent über dem Vorkriegswert. Die Schere zwischen beiden Kraftstoffen hat sich damit gegenüber früheren Phasen deutlich verschoben: Rund um Ostern hatte Diesel laut ADAC-Daten zeitweise über 70 Cent, Benzin über 40 Cent je Liter teurer notiert als vor dem Krieg.

Warum die Preise fallen

Hauptgrund für die Entspannung ist der Rohölmarkt. Nachdem ein Konflikt am Persischen Golf und Sorgen um die Straße von Hormus den Ölpreis im Frühjahr zeitweise über 120 US-Dollar je Barrel getrieben hatten, sorgten Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran für deutlich nachgebende Notierungen. Hinzu kommt ein für Importeure günstiges Euro-Dollar-Verhältnis, da Rohöl in Dollar gehandelt wird – ein stärkerer Euro verbilligt den Einkauf. Auch eine gedämpfte konjunkturelle Nachfrage drückt die Preise.

Einordnung für Verbraucher

Für Pendler, Logistikunternehmen und Handwerksbetriebe bedeutet der Rückgang spürbar geringere Mobilitätskosten – ein Gegengewicht zu den Preissteigerungen der vergangenen Jahre. Der ADAC sieht nach eigenen Angaben weiterhin Spielraum nach unten: Die Einkaufspreise an den Rohstoffmärkten lägen niedriger, als es die Zapfsäulenpreise vermuten ließen. Verbraucher sollten Tankzeitpunkte gezielt wählen, da die Preise im Tagesverlauf weiterhin stark schwanken. Ob der Diesel dauerhaft unter dem Vorkriegsniveau bleibt, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf am Ölmarkt ab.