Es ist eine der stillsten Magien des Sommers: In einer warmen Juni-Nacht, irgendwo am Rand einer feuchten Wiese oder einer Hecke, schweben plötzlich winzige grünliche Lichtpunkte durch die Dunkelheit. Glühwürmchen. Und doch wissen die wenigsten, was da eigentlich leuchtet – und warum.

Eigentlich sind es Käfer, keine Würmer

Der Name führt in die Irre. Glühwürmchen sind keine Würmer, sondern Käfer aus der Familie der Leuchtkäfer (Lampyridae). In Deutschland begegnet man vor allem dem Großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) und dem Kleinen Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula). Der wurmartige Name rührt von den flugunfähigen Weibchen her, deren gegliederter Hinterleib an die Ringe eines Regenwurms erinnert. Weltweit gibt es rund 2000 Leuchtkäfer-Arten.

Warum gerade jetzt im Juni?

Die Hauptflugzeit fällt auf Mitte bis Ende Juni, rund um die Sommersonnenwende. Weil die Tiere oft genau um den Johannistag am 24. Juni am zahlreichsten schwärmen, heißen sie auch Johanniswürmchen. Die kürzesten, lauen Nächte des Jahres sind ihre große Bühne – und die Zeitspanne ist kurz: Erwachsene Leuchtkäfer fressen gar nicht mehr, sie leben nur noch wenige Tage und widmen sich ausschließlich der Fortpflanzung.

Wie das kalte Licht entsteht

Das Leuchten ist reine Chemie – Biolumineszenz. In den Leuchtorganen am Hinterleib reagiert der Leuchtstoff Luciferin mithilfe des Enzyms Luciferase und unter Beteiligung von Sauerstoff. Dabei werden Elektronen kurz auf ein höheres Energieniveau gehoben; fallen sie zurück, geben sie die überschüssige Energie als Lichtteilchen ab. Das Besondere: Es entsteht kaltes Licht, fast ohne Wärmeverlust. Eine alte Glühbirne verheizt rund 95 Prozent ihrer Energie nutzlos – der Leuchtkäfer dagegen arbeitet extrem effizient. Kaum eine künstliche Lichtquelle erreicht diese Effizienz.

Ein Lichtsignal für die Liebe

Das Leuchten dient der Partnersuche. Beim Großen Leuchtkäfer erklimmen die flugunfähigen Weibchen einen Grashalm und lassen ein intensives grünliches Licht aufglühen, um ihre Paarungsbereitschaft zu signalisieren. Die fliegenden Männchen suchen dieses Bodenleuchten – das schwebende Tanzen über der Wiese ist also vor allem die Suche der Männchen. Jede Art hat dabei ihr eigenes, charakteristisches Leuchtmuster.

Warum sie immer seltener werden

Das Bild der leuchtenden Sommernacht ist bedroht. Der größte Feind ist die Lichtverschmutzung: Wo künstliche Beleuchtung die Nacht zum Tag macht, leuchten die Weibchen vergeblich – die Männchen finden sie nicht mehr. Dazu kommen das allgemeine Insektensterben, Lebensraumverlust durch Versiegelung und intensive Landwirtschaft sowie Pestizide – und die Schneckenbekämpfung, dabei sind gerade kleine Schnecken die Hauptnahrung der räuberischen Leuchtkäfer-Larven.

Wo man sie findet – und wie man hilft

Glühwürmchen mögen es feucht und naturnah: Wiesenränder, Hecken, Gebüsch- und Waldränder. Helfen kann jeder: den Garten naturnah gestalten, auf Pestizide und Schneckengift verzichten, eine wilde Ecke stehen lassen – und vor allem nachts das Licht ausschalten. Jede dunkle Sommernacht ist ein Geschenk an die kleinen Leuchttänzer.