Sommerzeit ist Reisezeit – zumindest für die meisten. Doch für einen erheblichen Teil der Bevölkerung in Deutschland bleibt schon eine einzige Urlaubswoche außerhalb der eigenen vier Wände finanziell unerreichbar. Das geht aus aktuellen Auswertungen des Statistischen Bundesamtes hervor.
Die zentrale Zahl
Rund 21 Prozent der Menschen in Deutschland lebten 2024 in Haushalten, die sich eine einwöchige Urlaubsreise nicht leisten konnten. Das entspricht etwa 17,4 Millionen Menschen – gut jeder fünften Person. Die Daten stammen aus der EU-weiten Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC). Gemeint ist dabei nicht der freiwillige Verzicht aufs Reisen, sondern die finanzielle Unmöglichkeit, sich einen siebentägigen Aufenthalt fernab des Wohnorts zu leisten.
Entwicklung und EU-Vergleich
Der Wert ist im Vergleich zum Vorjahr stabil. Eine leichte Verbesserung zeigt sich gegenüber 2023, als noch 23 Prozent der Bevölkerung angaben, sich keine Urlaubswoche leisten zu können. Ein klarer Abwärtstrend lässt sich daraus jedoch nicht ableiten – der Anteil verharrt seit Jahren auf hohem Niveau.
Im europäischen Maßstab steht Deutschland vergleichsweise gut da: Der EU-Durchschnitt lag bei rund 27 Prozent. Am stärksten betroffen sind die Menschen in Rumänien und Griechenland, am seltensten scheitert ein Urlaub am Geld in Luxemburg, Schweden und den Niederlanden. Der gute Platz im Ranking ist allerdings ein schwacher Trost angesichts von Millionen Betroffenen im eigenen Land.
Was dahintersteckt
Der entscheidende Faktor ist das Einkommen. Im einkommensschwächsten Fünftel der Bevölkerung konnte sich fast jeder Zweite keine Urlaubswoche leisten. Auch die Haushaltsform spielt eine große Rolle: Alleinerziehende sind mit rund 38 Prozent mit Abstand am stärksten betroffen, während es bei Paaren ohne Kinder nur etwa 15 Prozent sind. Im Hintergrund wirken die gestiegenen Lebenshaltungskosten der vergangenen Jahre – höhere Ausgaben für Energie, Lebensmittel und Wohnen haben die finanziellen Spielräume vieler Haushalte verengt.
Einordnung
Die Urlaubsquote gilt unter Statistikern als sensibler Indikator für materielle Entbehrung: Wer sich keine Reise leisten kann, muss häufig auch bei anderen Posten sparen. Dass jede fünfte Person in einem der reichsten Länder der Welt aufs Reisen verzichten muss, verweist weniger auf den Wohlstand insgesamt als auf dessen ungleiche Verteilung. Und an dieser Zahl hat sich seit Jahren kaum etwas bewegt.



