Die USA haben mitten in der diplomatischen Annäherung im Iran-Konflikt einen bedeutsamen wirtschaftlichen Schritt unternommen: Das US-Finanzministerium hat am 22. Juni 2026 eine vorübergehende Generallizenz erteilt, die Geschäfte mit iranischem Öl für zunächst 60 Tage erlaubt. Damit setzen die Vereinigten Staaten zentrale Teile ihres jahrelangen Sanktionsregimes aus – ein deutliches Signal zur Unterstützung der laufenden Verhandlungen.

Was genau ausgesetzt wurde

Nach Angaben des Handelsblatts erlaubt die Lizenz „die Produktion, die Lieferung und den Verkauf von Rohöl sowie petrochemischen Produkten und Erdölprodukten iranischen Ursprungs“. Auch der Import dieser Produkte in die USA sowie damit verbundene Dienstleistungen wie Bankgeschäfte, Versicherungen und Transporte fallen darunter. Die Genehmigung gilt bis zum 21. August 2026; ausgenommen bleiben laut US-Finanzministerium Transaktionen mit Nordkorea oder Kuba.

Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich nicht um eine dauerhafte Aufhebung, sondern um eine befristete Aussetzung der Durchsetzung. Sie ist zeitlich exakt an die vereinbarte 60-Tage-Frist der Verhandlungen gekoppelt.

Verbindung zu den Gesprächen in der Schweiz

Die Maßnahme folgt direkt auf eine Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran aus der Vorwoche. Beide Seiten vereinbarten eine 60-tägige Waffenruhe, um ein endgültiges Abkommen auszuhandeln. Die Gespräche finden in der Schweiz statt, vermittelt unter anderem von Pakistan und Katar, wie ZDFheute berichtet.

Im Gegenzug für die Lockerungen hat sich der Iran nach US-Darstellung zu freier Durchfahrt durch die strategisch wichtige Straße von Hormus verpflichtet sowie dazu, Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Zugang zu gewähren. Teheran hatte die Meerenge zuvor zeitweise gesperrt.

Fragile Lage trotz Annäherung

Die Verhandlungen verliefen nicht reibungslos. US-Präsident Donald Trump sorgte mit Drohungen für Spannungen; Irans Chefunterhändler reagierte abweisend. Die iranische Nachrichtenagentur IRNA meldete zwischenzeitlich sogar einen Abzug der Delegation, was US-Vertreter bestritten – die Gespräche seien die Nacht über fortgesetzt worden.

China als Großabnehmer

Ein praktischer Hintergrund der Maßnahme: Iranisches Rohöl geht bekanntermaßen zu großen Teilen an Raffinerien in China. Eine Aussetzung der Sanktionen kann damit auch zur Stabilisierung der globalen Ölversorgung und Preise beitragen. Entscheidend wird sein, ob aus der befristeten Aussetzung innerhalb der 60-Tage-Frist ein tragfähiges Abkommen wird – oder ob die Sanktionen nach dem 21. August automatisch wieder greifen.