Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat eine kritische Schwelle erreicht: Nach Angaben der kongolesischen Gesundheitsbehörden wurden mehr als 1000 bestätigte Infektionen registriert. Damit wächst die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung in der ohnehin krisengeplagten Region rapide.

Mehr als 1000 Fälle, über 250 Tote

Landesweit wurden in drei Provinzen über 1000 bestätigte Fälle gezählt, von denen nach Behördenangaben rund 254 Menschen starben – das entspricht einer Sterblichkeitsrate von etwa 25 Prozent, wie der Tagesspiegel und das Handelsblatt berichten.

Die aktuellen Zahlen liegen über den letzten offiziellen Zwischenständen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zu einem früheren Stichtag noch deutlich weniger Fälle dokumentiert. Der rasche Anstieg unterstreicht die hohe Dynamik. Da sich die Datenstände laufend ändern, sollten die genauen Zahlen mit Vorsicht betrachtet werden.

Schwerpunkt in der Provinz Ituri

Der Ausbruch konzentriert sich auf den Osten des Landes. Mit Abstand am stärksten betroffen ist laut WHO die Provinz Ituri, auf die zeitweise über 90 Prozent aller Fälle entfielen. Daneben sind die Provinzen Nord-Kivu und Süd-Kivu betroffen. Die Region ist seit Jahren von bewaffneten Konflikten geprägt, was die Bekämpfung der Seuche zusätzlich erschwert. Auch das Nachbarland Uganda meldete einige Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Kongo-Ausbruch, zuletzt aber über mehrere Tage keine neuen Fälle.

Ein Stamm ohne Impfstoff

Besonders besorgniserregend: Der Ausbruch wird durch den Bundibugyo-Stamm des Ebolavirus verursacht. Für diese Variante existiert bislang weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezifische Therapie. Die bei früheren Ausbrüchen eingesetzten Impfstoffe richten sich gegen den Zaire-Stamm und bieten gegen Bundibugyo keinen gesicherten Schutz. Das Virus überträgt sich durch direkten Körperkontakt und über Körperflüssigkeiten Infizierter. Die WHO hat klinische Studien mit experimentellen Wirkstoffen gestartet, um Behandlungsmöglichkeiten zu erproben.

WHO ruft Gesundheitsnotstand aus

Angesichts der Lage hatte die WHO im Mai 2026 eine Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC) ausgerufen – die höchste Alarmstufe der Organisation. Trotz aufgebauter Kapazitäten bleibt die Antwort nach Einschätzung der WHO unzureichend. Ein entscheidender Schwachpunkt ist die Kontaktverfolgung: Derzeit werden nur rund 58 Prozent der Kontaktpersonen nachverfolgt, während die WHO mindestens 90 Prozent für eine wirksame Eindämmung fordert. Solange diese Lücke bestehe, warnen Experten, lasse sich die Übertragungskette nicht durchbrechen.