Es ist eine Zäsur für die südkoreanische Wirtschaft: Am Montag, dem 22. Juni 2026, hat der Speicherchip-Hersteller SK Hynix den Elektronikkonzern Samsung Electronics an der Börse in Seoul überholt – und ist damit zumindest auf Basis der Stammaktien erstmals das wertvollste Unternehmen des Landes. Laut The Korea Times ist das die erste Verschiebung an der Spitze der Koreabörse KOSPI seit rund 26 Jahren – zwei Jahrzehnte lang galt Samsung als unangefochtener Branchenprimus.

Knapper Vorsprung – mit einer wichtigen Einschränkung

Auf Schlusskursbasis kam SK Hynix auf eine Marktkapitalisierung von rund 2.080 Billionen Won (etwa 1,35 Billionen US-Dollar) und lag damit knapp vor Samsung Electronics mit rund 2.067 Billionen Won. Die SK-Hynix-Aktie legte am Stichtag um gut fünf Prozent zu, während Samsung leicht nachgab. Im Jahresverlauf 2026 summiert sich das Plus bei SK Hynix auf mehr als 340 Prozent – Samsung kommt im selben Zeitraum auf rund 200 Prozent.

Die Zahlen verdienen eine Einordnung: Rechnet man die Vorzugsaktien hinzu, die SK Hynix nicht ausgegeben hat, bleibt Samsung in der Gesamtmarktkapitalisierung weiter vorn. Der Spitzenplatz gilt also zunächst nur für die Stammaktien.

HBM-Speicher als Treiber des KI-Booms

Motor des Aufstiegs ist der Speichertyp HBM (High Bandwidth Memory). Dabei werden mehrere DRAM-Chips übereinandergestapelt, was eine deutlich höhere Datenbandbreite ermöglicht als herkömmlicher Speicher. Genau diese Bandbreite brauchen KI-Beschleuniger – allen voran die GPUs von Nvidia, dem dominierenden Hersteller von KI-Rechenchips. SK Hynix gilt als wichtigster HBM-Lieferant für Nvidia und profitiert so direkt vom KI-Investitionsschub.

Der Vorsprung ist beträchtlich: Laut Digitaltoday hielt SK Hynix 2025 rund 61 Prozent des weltweiten HBM-Marktes, vor Micron mit etwa 21 Prozent und Samsung mit rund 17 Prozent. Die Profitabilität ist außergewöhnlich: Nach Angaben von KED Global erzielte SK Hynix zuletzt Rekordgewinne bei sehr hoher operativer Marge; die Nachfrage nach der nächsten Generation HBM4 soll die Kapazitäten für Jahre übersteigen.

Samsung kämpft um den Anschluss

Für Samsung ist der Verlust der Spitzenposition vor allem ein Symbol. Der Konzern ist breit aufgestellt – von Smartphones über Hausgeräte bis zu Displays –, konnte vom Speicher-Aufschwung aber bisher weniger profitieren als der hochspezialisierte Rivale. Im HBM-Geschäft arbeitet Samsung an der Aufholjagd, unter anderem an der Qualifizierung jüngerer HBM-Generationen für Nvidia.

Ein Symbol für den Speicher-Superzyklus

Der Machtwechsel an der Koreabörse steht exemplarisch für eine Neubewertung von Speicherchips, die lange als austauschbare Massenware galten. Bemerkenswert bleibt der historische Kontrast: In den 2000er-Jahren stand SK Hynix wegen hoher Schulden noch vor dem Aus – heute trägt der KI-Boom das Unternehmen an die Spitze der koreanischen Wirtschaft.