Wer frisch von der Hochschule kommt und in der Wirtschaftsprüfung oder Beratung einsteigen will, bekommt den Umbruch durch Künstliche Intelligenz derzeit besonders deutlich zu spüren. Die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft PwC fährt ihre Einstellungen für Berufseinsteiger zurück – und liefert mit einer eigenen Datenauswertung die Begründung gleich mit.

Was die 35-Prozent-Zahl wirklich bedeutet

Die viel zitierte Marke von 35 Prozent wird in der Debatte oft missverstanden. Sie steht nicht für einen Stellenabbau von 35 Prozent. Laut dem Global AI Jobs Barometer 2026 von PwC, einer Auswertung von über einer Milliarde Stellenanzeigen, ist die Zahl der „seniorisierten" Einstiegsstellen seit 2019 um rund 35 Prozent gewachsen – also formal als Einsteigerjobs ausgeschriebene Positionen, die bereits Fähigkeiten erfahrener Kräfte verlangen. Klassische Einsteigerstellen schrumpften im selben Zeitraum um etwa 10 Prozent.

Die eigentliche Pointe: In stark KI-exponierten Berufen verlangen Einstiegsanzeigen heute laut PwC siebenmal häufiger ursprünglich seniorige Kompetenzen wie strategisches Urteilsvermögen, Stakeholder-Management und Führung. Wer einsteigen will, soll also Dinge können, die man früher erst nach Jahren lernte.

Wo PwC tatsächlich Stellen kürzt

Davon zu unterscheiden ist der reale Stellenabbau. In Großbritannien fällt der Graduate-Jahrgang kleiner aus: Statt rund 1.500 nimmt PwC dort etwa 1.300 Einsteiger auf – ein Minus von rund 200 Stellen. In den USA sollen die Graduate-Einstellungen Berichten über interne Projektionen zufolge über mehrere Jahre um etwa ein Drittel sinken. PwC-UK-Chef Marco Amitrano verweist dabei auch auf die schwache britische Konjunktur – die KI ist also nicht der alleinige Grund, aber ein struktureller.

Warum die KI gerade die Jüngsten trifft

Die Logik dahinter ist branchenweit dieselbe. Routinetätigkeiten, die traditionell der Lernstoff für Berufseinsteiger waren – Daten sortieren, Belege prüfen, Standardpassagen formulieren –, übernehmen zunehmend KI-Systeme. PwC selbst nennt neben der Automatisierung die Verlagerung einfacher Tätigkeiten in günstigere Standorte sowie eine historisch niedrige Fluktuation, die weniger Nachbesetzungen nötig macht.

Das Ende der Beratungspyramide?

Klassische Beratungs- und Prüfungshäuser funktionierten lange wie eine Pyramide: unten viele junge Kräfte, die Routinearbeit erledigen und sich nach oben arbeiten. Genau diese Basis wackelt nun. Schrumpft die Zahl der Einstiegsjobs dauerhaft, fehlt nicht nur jungen Menschen der Berufseinstieg – langfristig fehlt der Branche auch der Nachwuchs für Führungspositionen.

Für Absolventen verschärft sich damit ein Dilemma: weniger Stellen, höhere Anforderungen, mehr Konkurrenz. Berufsanfänger sind nicht die Profiteure des KI-Booms, sondern seine ersten Betroffenen. Für die Beratungsbranche bleibt die offene Frage, woher künftig die erfahrenen Kräfte kommen sollen, wenn die unterste Sprosse der Karriereleiter ausgedünnt wird.