Der Bund steht vor einem der größten rüstungspolitischen Beteiligungsschritte der vergangenen Jahre. Beim deutsch-französischen Panzerbauer KNDS (Krauss-Maffei Wegmann / Nexter) will der Staat einsteigen. Bevor der für den Sommer geplante Börsengang des Konzerns ansteht, muss der Schritt allerdings noch das Parlament passieren – Medienberichten zufolge soll der Haushaltsausschuss des Bundestags in dieser Woche darüber befinden.
Worum es konkret geht
Die schwarz-rote Koalition aus Union und SPD hat sich nach internem Ringen darauf verständigt, dass der Bund zunächst 40 Prozent der Anteile an KNDS übernimmt. Diese Beteiligung soll nach zwei bis drei Jahren auf rund 30 Prozent zurückgeführt werden. Mit dem Einstieg sichert sich Deutschland nach Darstellung der ZDFheute gleichberechtigten Einfluss mit dem französischen Staat, der bereits über die Nexter-Seite beteiligt ist.
Der Kauf soll zum Ausgabepreis des geplanten Börsengangs erfolgen. KNDS will dabei einen Teil seiner Aktien in Frankfurt und Paris platzieren – bei einer Unternehmensbewertung von rund 20 Milliarden Euro wäre dies einer der größten Börsengänge in Deutschland in diesem Jahr, wie das Handelsblatt berichtet. Der exakte Kaufpreis für den Bund hängt damit vom Emissionspreis ab und wurde bislang nicht öffentlich beziffert.
Begründung: Sicherheitsinteressen und Know-how
Treiber des Vorhabens ist Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), der einen Einstieg bereits im Juli 2025 vorgeschlagen hatte. Er begründet ihn vor allem mit nationalen Sicherheitsinteressen sowie dem Erhalt von Schlüsseltechnologie und Arbeitsplätzen in Deutschland. Verantwortlich für die Beteiligung ist das Bundeswirtschaftsministerium unter Ministerin Katherina Reiche (CDU). Innerhalb der Regierung hatte das Verteidigungsministerium auf 40 Prozent gedrungen, während Wirtschaftsressort und Kanzleramt eine niedrigere Sperrminorität von rund 30 Prozent für ausreichend hielten (ZDFheute).
Hintergrund zu KNDS
KNDS ist 2015 aus der Fusion des deutschen Traditionsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann mit dem französischen Staatskonzern Nexter hervorgegangen. Der Konzern zählt zu den führenden europäischen Herstellern von Landsystemen und produziert unter anderem den Kampfpanzer Leopard 2, die Panzerhaubitze 2000 sowie den Schützenpanzer Puma und den Transportpanzer Boxer. Auf deutscher Seite stehen bislang Eigentümerfamilien, auf französischer Seite der Staat.
Ein heikler Deal
Umstritten ist das Vorhaben dennoch. Wie das Handelsblatt berichtet, galt der Deal zwischenzeitlich als wackelig: Die Eigentümerfamilien könnten vom Verkauf an den Staat absehen, falls der Börsengang weniger einbringt als erhofft. Zudem gibt es Bedenken, dass eine Staatsbeteiligung Investoren abschrecken und Veto-Rechte des Bundes die unternehmerische Freiheit einschränken könnten. Genau deshalb richtet sich der Blick nun auf den Bundestag, der dem milliardenschweren Schritt noch zustimmen muss.



