Der Sommer 2026 hat angeblich ein neues Lieblingsgetränk – und es kommt in einer kleinen, unscheinbaren Flasche. Nach Dalgona-Schaumkaffee, Proteinkaffee und der ewigen Cold-Brew-Welle soll nun Kaffeekonzentrat der Drink der Saison sein. Klingt erst einmal so verlockend wie kalter Kaffee vom Vortag. Aber der Hype hat einen handfesten Kern.
Worum es geht
Kaffeekonzentrat ist hochkonzentrierter, kalt gebrühter Kaffee. Statt fertigem Eiskaffee bekommt man ein dunkles, intensives Extrakt, von dem ein bis zwei Teelöffel reichen. Diese gibt man auf ein Glas mit Eis und füllt mit Milch, Haferdrink oder Wasser auf – fertig ist der Iced Coffee, ohne Maschine, ohne Vorkochen, ohne Abkühlen.
Genau das treibt den Trend an: In den Videos auf Plattformen wie TikTok betonen die Macherinnen und Macher gern, dass sie keine Kaffeemaschine besitzen oder schlicht keine Lust haben, morgens Kaffee zu kochen und stundenlang kalt werden zu lassen. Der Café-Eiskaffee für unterwegs kostet schnell sechs bis acht Euro – das Konzentrat aus dem Kühlschrank ist deutlich günstiger. Der Trend stammt ursprünglich aus den USA und Ostasien und ist nun im deutschsprachigen Raum angekommen (L'essentiel).
Immer mehr Marken springen auf
Wer nicht selbst brühen will, wird im Handel fündig. Neben fertigen Konzentraten großer Kaffeemarken bieten inzwischen auch Start-ups und Drogerie-Eigenmarken entsprechende Produkte an (L'essentiel). Ein Wermutstropfen: Während die pure Sorte fast zuckerfrei ist, bringen gesüßte Varianten wie „Caramel Macchiato“ oder „Haselnuss Latte“ je nach Anbieter deutlich Zucker mit – das relativiert den vermeintlich gesunden Anstrich schnell.
Selber machen ist günstiger
Fertigprodukte sind bequem, aber Kaffeekonzentrat lässt sich auch ganz einfach zu Hause herstellen – und das deutlich preiswerter. Das Prinzip ist klassisches Cold Brew, nur stärker dosiert.
Die gängige Faustregel: ein Teil Kaffee auf vier bis fünf Teile Wasser, also etwa 200 Gramm grob gemahlener Kaffee auf einen Liter kaltes Wasser (Milk and Pop). Wichtig ist ein grober bis mittelgrober Mahlgrad – grob wie Meersalz, damit später wenig Bitterstoffe und kein Satz im Glas landen. Die Mischung zieht dann 12 bis 18 Stunden im Kühlschrank; rund 14 bis 16 Stunden gelten als idealer Punkt. Wer länger als 20 Stunden wartet, riskiert unangenehm bittere Aromen. Anschließend durch einen Filter abseihen, in eine verschließbare Flasche füllen – und im Kühlschrank hält das Konzentrat problemlos eine Woche.
Wie schmeckt das Ganze?
Pur ist Konzentrat tatsächlich kein Genuss: kräftig, dunkel, leicht bitter. Sein Sinn erschließt sich erst beim Verdünnen. Zum Servieren das Glas mit Eis füllen, je nach Geschmack zur Hälfte mit Wasser oder Milch aufgießen und mit Konzentrat abrunden – ein Verhältnis von etwa 1:1 bis 1:2 trifft die meisten Vorlieben (Milk and Pop).
Weil kalt gebrühter Kaffee weniger Säure enthält als heiß aufgebrühter, schmeckt das Ergebnis weicher und runder als klassischer Filterkaffee auf Eis. Mit Hafermilch, einem Schuss Sirup oder Vanille wird daraus mühelos der Café-Drink für den Balkon. Eklig? Eher nicht. Der entscheidende Trick ist nur, das Konzentrat eben nicht löffelweise pur zu trinken.



