Der Umbruch auf Europas Automarkt nimmt Fahrt auf. Nach Zahlen des Herstellerverbands ACEA ist jeder fünfte Neuwagen in der EU inzwischen ein Elektroauto – der Anteil reiner Stromer erreicht damit rund 20 Prozent. Ein Wert, der noch vor wenigen Jahren als ambitioniertes Fernziel galt.
Die Zahlen
Im Mai 2026 stiegen die Zulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) im Jahresvergleich um rund 43 Prozent auf 203.417 Einheiten, während der EU-Gesamtmarkt nur um 3,2 Prozent auf 955.013 Fahrzeuge zulegte. Gemessen an den kumulierten Zulassungen seit Jahresbeginn erreichten die Stromer damit die 20-Prozent-Marke – nach 15,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2025 hatte der BEV-Anteil noch bei 17,4 Prozent gelegen. Die Kurve weist also seit Monaten steil nach oben.
Verbrenner schrumpfen, Hybride boomen
Spiegelbildlich zum E-Auto-Boom verlieren die klassischen Verbrenner an Boden. Im Mai sackten die Benziner-Zulassungen um rund ein Fünftel auf 210.383 Fahrzeuge ab, die Diesel auf 69.482. Größter Profiteur neben den Stromern sind die Hybride: Vollhybride bleiben mit Abstand die stärkste Antriebsart und tragen den Markt inzwischen praktisch gemeinsam mit den E-Autos.
China-Marken drängen nach vorn
Die eigentliche Dynamik kommt aus Fernost. Chinesische Hersteller haben ihren EU-Marktanteil binnen eines Jahres annähernd verdoppelt – von gut drei auf rund sechs Prozent. Vor allem BYD verzeichnet dreistellige Wachstumsraten, ebenso aufstrebende Marken wie Chery und der über Stellantis vertriebene Anbieter Leapmotor. Die etablierten Konzerne halten dagegen: Volkswagen bleibt trotz eines leichten Rückgangs Marktführer, BMW und Mercedes-Benz legten zu.
Einordnung
Der Aufschwung kommt nicht von ungefähr. Die Hersteller stehen unter dem Druck der EU-Flottengrenzwerte, die ab 2035 faktisch das Aus für den Verbrenner-Neuwagen bedeuten – jeder verkaufte Stromer verbessert die CO₂-Bilanz der Flotten. Zugleich kurbeln neue, günstigere Modelle und Kaufanreize die Nachfrage an. In Deutschland soll eine neue Förderung Elektroautos gezielt für Haushalte mit kleinerem Budget bezuschussen. Ob die 20-Prozent-Marke zum Dauerzustand wird, hängt damit auch davon ab, wie verlässlich die Politik die Rahmenbedingungen setzt.



