Im festgefahrenen Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt hat China am Montag erneut zu Gegenmaßnahmen gegriffen. Das Handelsministerium in Peking setzte zehn weitere US-Unternehmen auf seine Exportkontrollliste, wie das Handelsblatt berichtet. Gleichzeitig schloss das Finanzministerium 46 mehrheitlich rüstungsnahe Firmen vom chinesischen Beschaffungswesen aus. Damit sind insgesamt 56 US-Unternehmen von der jüngsten Vergeltungswelle betroffen.

Seltene Erden und Rüstung im Visier

Wer auf der Exportkontrollliste steht, darf von chinesischen Exporteuren keine sogenannten Dual-Use-Güter mehr beziehen – also Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sind. Laufende Geschäfte müssen gestoppt werden; Ausnahmen bedürfen einer Sondergenehmigung.

Namentlich genannt werden unter anderem die beiden US-Produzenten seltener Erden MP Materials und USA Rare Earth. Dass Peking ausgerechnet die wenigen US-Anbieter seltener Erden trifft, gilt als symbolträchtig: China dominiert den Weltmarkt für diese strategischen Rohstoffe und versucht erkennbar, den Aufbau einer westlichen Alternativ-Lieferkette zu erschweren.

Auslöser: erweiterte Pentagon-Liste

Als Auslöser der chinesischen Maßnahmen gilt eine Entscheidung des US-Verteidigungsministeriums, das seine Liste mutmaßlicher Zulieferer des chinesischen Militärs erweitert hatte. Der Schlagabtausch reiht sich in ein Muster ein, das den Handelsstreit seit dem Frühjahr prägt: Washington weitet seine Schwarzen Listen aus, Peking kontert mit eigenen. Bereits im April 2026 hatte China seine Gegensanktionsregeln verschärft.

Was das für Europa und Deutschland bedeutet

Für europäische Unternehmen ist vor allem die Rohstoff-Komponente des Konflikts gefährlich. China kontrolliert nach Daten der Internationalen Energieagentur den Löwenanteil der weltweiten Förderung und Verarbeitung seltener Erden und liefert rund 94 Prozent der gesinterten Permanentmagnete – Schlüsselbauteile für Elektromotoren, Windkraftanlagen und Rüstungsgüter.

Eine Analyse des Europäischen Parlaments warnt, dass mehr als 80 Prozent der großen europäischen Unternehmen höchstens drei Zwischenhändler von einem chinesischen Produzenten seltener Erden entfernt sind. Die deutsche Autoindustrie, die auf Magnete für Elektroantriebe angewiesen ist, zählt damit zu den verwundbarsten Branchen. Bereits die früheren Kontrollen aus dem Jahr 2025 trieben die Preise zeitweise auf ein Vielfaches und führten zu Lieferengpässen.

Ein schnelles Ende der Eskalation ist nicht in Sicht. Solange Washington und Peking ihren Streit über Technologie, Rüstung und Marktzugang mit immer neuen Listen austragen, bleibt die Lage für global vernetzte Unternehmen unkalkulierbar – und Deutschland sitzt mit seiner exportabhängigen Industrie mitten in der Schusslinie.