Über die Generation Z – grob die ab Mitte der 1990er-Jahre Geborenen – kursiert das Bild einer Kohorte, die es ökonomisch schwerer hat als ihre Vorgänger: hohe Mieten, unsichere Jobs, teures Leben. Eine neue Auswertung aus Großbritannien stellt diesem Narrativ zumindest beim Lohn eine überraschende Zahl entgegen.

Was der Thinktank herausgefunden hat

Die Analyse stammt von der Resolution Foundation, einem auf Lebensstandard und Einkommensverteilung spezialisierten Londoner Thinktank. Ihr Kernbefund: Das reale Wocheneinkommen von 24-Jährigen, die in den späten 1990er-Jahren geboren wurden, lag rund zwölf Prozent höher als bei der Kohorte der in den späten 1980er-Jahren Geborenen im selben Alter. Wer in den frühen 2000ern zur Welt kam, verdiente mit 24 sogar mehr als jede andere Alterskohorte zurück bis zu den in den 1950er-Jahren Geborenen.

Entscheidend ist das Wörtchen „real“: Die Zahlen sind inflationsbereinigt, der Vergleich also nicht durch die gestiegenen Preise verzerrt. Und wichtig für die Einordnung: Es geht ausschließlich um Großbritannien.

Warum die Millennials schlechter dastehen

Die Resolution Foundation erklärt den Sprung weniger mit einem Boom für die Jungen als mit dem Pech der Millennials. Deren Berufseinstieg fiel vielfach in die Zeit rund um die globale Finanzkrise ab 2008 – gefolgt von einer langen Phase stagnierender Reallöhne, von der sich diese Generation nie ganz erholte. Die Millennials gelten in Großbritannien als erste Generation, die nicht selbstverständlich mehr verfügbares Einkommen hatte als die Generation davor. In der britischen Berichterstattung wird der Aufschwung der Gen Z häufig zusätzlich mit den kräftigen Anhebungen des gesetzlichen Mindestlohns und einem zuletzt angespannten Arbeitsmarkt in Verbindung gebracht.

Die Kehrseite: Nicht alle profitieren

Die Foundation dämpft die guten Nachrichten deutlich. Reallöhne stünden wegen höherer Preise und schwächeren Wachstums vor einer erneuten Belastung. Vor allem aber verweist der Thinktank auf die Kehrseite: Die Zahl der 16- bis 24-Jährigen, die weder arbeiten noch in Ausbildung oder Schule sind (NEET), erreichte zuletzt rund eine Million. Der Lohnzuwachs gilt also für jene, die im Job sind; ein wachsender Teil der Generation kommt dagegen gar nicht erst in Beschäftigung. Themen wie Wohnkosten klammert der Befund weitgehend aus – ein Plus beim Lohn bedeutet nicht automatisch mehr finanziellen Spielraum.

Gilt das auch für Deutschland?

Kurz gesagt: Eine vergleichbare, belastbare Generationenrechnung für Deutschland liegt hier nicht vor – die britischen Zahlen lassen sich nicht eins zu eins übertragen. Klar ist nur die allgemeine Lohnlage: Nach den schweren Reallohnverlusten von 2022 und 2023 stiegen die Reallöhne laut Statistischem Bundesamt 2025 wieder an. Ob deutsche Mittzwanziger der Gen Z dabei real mehr verdienen als die Millennials in dem Alter, ist mit diesen Daten nicht belegt.

Einige Rahmenbedingungen ähneln sich – kräftig gestiegener Mindestlohn, zuletzt ein robuster Arbeitsmarkt, ein höheres durchschnittliches Bildungsniveau der Jüngeren. Andere unterscheiden sich grundlegend, etwa das duale Ausbildungssystem und die andere Verlaufsdynamik der Finanzkrise. Der britische Befund ist damit ein interessantes Signal – aber kein Beweis für deutsche Verhältnisse.