Wer im Sommer durch Wald und Wiese streift, teilt seinen Lebensraum mit einem winzigen Mitbewohner: der Zecke. In Deutschland ist vor allem der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) verbreitet. Er ist kein Insekt, sondern eine Milbenart – und kann beim Blutsaugen Krankheitserreger übertragen. Panik ist dennoch unangebracht: Mit einfachen Vorkehrungen lässt sich das Risiko deutlich senken.

Wann und wo Zecken lauern

Zecken sind keine reinen Sommertiere. Sie werden bereits ab einer Temperatur von etwa fünf Grad Celsius aktiv und sind damit vom Frühjahr bis in den Herbst unterwegs (infektionsschutz.de). Ein hartnäckiger Irrglaube: Zecken ließen sich von Bäumen fallen. Das stimmt nicht. Tatsächlich sitzen sie im Unterholz, in Gebüschen, in hohen Gräsern und in losem Laub. Streift ein Mensch oder Tier die Pflanzen, lassen sich die Tiere abstreifen und suchen dann auf der Haut eine geeignete Einstichstelle.

FSME und Borreliose – zwei sehr unterschiedliche Gefahren

Die beiden wichtigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten dürfen nicht verwechselt werden, denn Schutz und Behandlung unterscheiden sich grundlegend.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch ein Virus ausgelöst. Sie beginnt häufig mit grippeähnlichen Beschwerden; in einem zweiten Krankheitsstadium kann es zu einer Entzündung von Hirnhäuten, Gehirn oder Rückenmark kommen. Gegen FSME gibt es keine ursächliche Behandlung – aber eine wirksame Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie allen, die in Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten (RKI-Ratgeber FSME).

Die Borreliose dagegen wird durch Bakterien verursacht. Gegen sie gibt es keine Impfung, sie lässt sich jedoch gut mit Antibiotika behandeln. Wichtigstes Frühzeichen ist die sogenannte Wanderröte.

Wo das FSME-Risiko am höchsten ist

Das FSME-Risiko ist regional sehr unterschiedlich verteilt. Das RKI weist aktuell 185 Kreise als Risikogebiete aus – schwerpunktmäßig in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, dem südöstlichen Thüringen, Sachsen und dem südöstlichen Brandenburg (RKI-Risikogebietskarte). Für 2025 meldete das RKI 693 FSME-Erkrankungen – die dritthöchste Zahl seit Beginn der Erfassung. Bemerkenswert: Rund 98 Prozent der Erkrankten waren nicht oder unzureichend geimpft.

So schützen Sie sich

Der beste Schutz ist, Zecken gar nicht erst an die Haut zu lassen: geschlossene Schuhe, lange Hosen und lange Ärmel im Grünen. Helle Kleidung erleichtert das Entdecken der Tiere. Insektenabwehrmittel (Repellentien) bieten zusätzlichen, allerdings zeitlich begrenzten Schutz. Entscheidend ist, den Körper nach jedem Aufenthalt in der Natur gründlich abzusuchen – besonders an warmen, geschützten Stellen wie Kniekehlen, Achseln, Leiste und hinter den Ohren.

Eine Zecke richtig entfernen

Wird eine Zecke entdeckt, gilt: möglichst schnell entfernen, denn das Infektionsrisiko steigt mit der Saugdauer. Greifen Sie das Tier mit einer Pinzette oder Zeckenkarte dicht über der Haut – nah an den Mundwerkzeugen, nicht am vollgesogenen Körper – und ziehen Sie es langsam und gerade heraus. Nicht empfehlenswert sind Drehen, Quetschen oder das Beträufeln mit Öl, Klebstoff oder Nagellack. Solche „Hausmittel" können dazu führen, dass die Zecke mehr Erreger abgibt. Die Einstichstelle anschließend desinfizieren.

Worauf Sie danach achten sollten

Beobachten Sie die Einstichstelle in den folgenden Tagen und Wochen. Bildet sich eine ringförmige Rötung, die sich langsam ausbreitet (Wanderröte), ist das ein typisches Zeichen für Borreliose – dann sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Auch grippeähnliche Symptome nach einem Stich gehören abgeklärt. Je früher eine Borreliose erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln.