Kaum ist der Kaffee eingeschenkt, kreist schon die erste Wespe über dem Kuchenteller. Spätsommer bedeutet in Deutschland fast überall: Wespensaison. Wer jetzt die Ruhe bewahrt und ein paar Dinge richtig macht, kommt deutlich entspannter durch die Grillsaison – und kann sich einige populäre, aber wirkungslose Hausmittel sparen.
Warum gerade jetzt so viele Wespen kommen
Dass die Tiere im August und September besonders aufdringlich werden, hat einen biologischen Grund. „Die Arbeiterinnen haben dann immer weniger bis keine Brut mehr zu versorgen und suchen verstärkt nach zucker- und eiweißhaltiger Nahrung", erklärt der NABU. Solange das Volk Larven füttert, jagen Wespen Insekten als Eiweißquelle. Fällt diese Aufgabe weg, stellen die Arbeiterinnen auf Süßes um – und das finden sie auf unseren Tellern. Übrigens interessieren sich von rund einem Dutzend heimischer Arten nur zwei wirklich für unser Essen: die Deutsche und die Gemeine Wespe.
Was wirklich hilft
Die Empfehlungen von Naturschützern und Ernährungsexperten sind erstaunlich simpel. Das Bundeszentrum für Ernährung rät, süße Speisen im Garten oder beim Picknick gut abzudecken und Reste zügig wegzuräumen. Trinkgläser lassen sich mit einem Bierdeckel abdecken – das schützt auch davor, dass eine Wespe versehentlich verschluckt wird. Bei Kindern sollten Essensreste rund um den Mund abgewischt werden.
Die wichtigste Regel betrifft das Verhalten: Ruhe bewahren, keine hektischen Bewegungen, nicht schlagen. Und vor allem nicht pusten – das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt für Wespen als Alarmsignal und macht sie erst recht aggressiv. Gut funktioniert dagegen Ablenkung: eine Schale mit überreifen Trauben oder etwas Marmelade, einige Meter vom Tisch entfernt, lockt die Tiere weg vom Essen.
Diese Hausmittel sind Mythos
Viele kursierende Tricks halten einem Praxistest nicht stand. Die berühmte Kupfermünze auf dem Tisch? „Diese Anti-Wespen-Methode funktioniert schlichtweg nicht", urteilt das Portal Houzz unter Verweis auf Tests. Auch angezündetes Kaffeepulver, mit Nelken gespickte Zitronen und Essigschälchen werden dort als wirkungslos eingestuft. Der Grund: Wespen haben extrem feine Riechorgane – gegen den verlockenden Duft von Kuchen und Grillgut kommen schwache Außendüfte im Freien nicht an.
Geschützt – und manchmal gefährlich
Wichtig zu wissen: Wespen stehen unter allgemeinem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes, ihre Nester dürfen nur mit triftigem Grund und am besten durch Fachleute entfernt werden. Hornissen sind sogar besonders geschützt; sie sind trotz ihrer Größe vergleichsweise friedlich und ihr Stich nicht gefährlicher als der einer Wespe. Die Unterscheidung? Bienen sind pelzig und bräunlich, Wespen glänzend gelb-schwarz mit deutlicher „Wespentaille", Hornissen deutlich größer mit rötlich-braunen Tönen. Richtig gefährlich werden Stiche nur für Allergiker oder bei Stichen im Mund- und Rachenraum – hier gilt: sofort den Notruf 112 wählen.



