Die krypto-basierte Prognose-Plattform Polymarket steht unter Druck: Laut einer Recherche des US-Wirtschaftsblatts Wall Street Journal (WSJ) soll das Unternehmen seit Monaten irreführende Werbung über Influencer betrieben haben. Bezahlte Content-Creator hätten in Videos angeblich hohe Wettgewinne vorgetäuscht – die in Wahrheit nie existierten. Polymarket selbst hat die Vorwürfe nicht im Detail bestätigt, kündigte aber eine Überprüfung an. Die folgenden Anschuldigungen sind ausdrücklich als unbewiesen zu verstehen.
Was Polymarket ist
Polymarket ist eine kryptobasierte Prognose- beziehungsweise Wettmarkt-Plattform. Nutzer setzen Kryptowährung ein, um auf den Ausgang realer Ereignisse zu wetten – etwa Wahlen, Sportergebnisse oder geopolitische Entwicklungen. Gehandelt werden Anteile, die die Wahrscheinlichkeit eines Ausgangs abbilden; die Trades laufen über die Polygon-Blockchain. In den USA war Polymarket nach einer Strafe der Aufsichtsbehörde CFTC von 1,4 Millionen US-Dollar seit 2022 lange gesperrt. Erst im November 2025 erhielt die Plattform wieder eine Zulassung für den regulierten US-Markt.
Der Vorwurf: erfundene Gewinne
Kern der WSJ-Recherche ist die Behauptung, Polymarket habe Creator dafür bezahlt, Videos mit angeblich lukrativen Wetten zu drehen. Dafür seien nahezu identische Kopien der echten Webseite genutzt worden – eine davon angeblich unter der absichtlich verwechselbaren Adresse „poiymarket.com“ (mit einem „i“ statt „l“). Ausgewertet wurden laut TechCrunch rund 1.100 Videos von zehn Creatorn; etwa 70 Prozent sollen vorgeben, echte Wetten zu zeigen. In 118 analysierten Videos seien Gewinne von zusammen rund 900.000 US-Dollar präsentiert worden – tatsächlich hätten dieselben Wetten laut Recherche über 166.000 Dollar Verlust bedeutet.
Schleichwerbung als zentraler Kritikpunkt
Besonders heikel ist der Vorwurf der nicht gekennzeichneten Werbung: Die Creator hätten monatlich etwa 2.000 bis 3.000 US-Dollar erhalten und seien angewiesen worden, die Bezahlung zu verschweigen, berichtet PYMNTS. Erst nachdem Journalisten Fragen stellten, hätten einige den Hinweis „@polymarket partner“ in ihre Profile aufgenommen. Aus europäischer Sicht wäre nicht gekennzeichnete bezahlte Werbung als Schleichwerbung rechtlich problematisch.
Regulatorischer Rahmen und Reaktion
Prognosemärkte bewegen sich rechtlich in einer Grauzone zwischen Finanzderivat und Glücksspiel. Die CFTC ordnet sie als regulierte Ereignismärkte ein, während mehrere US-Bundesstaaten sie als verkapptes Sportwetten-Geschäft betrachten. Polymarket erklärte gegenüber dem WSJ, man sei „der Wahrung präziser, fairer und transparenter Märkte verpflichtet“, und kündigte eine Prüfung der aktiven Werbeinhalte an. Eine inhaltliche Stellungnahme zu den einzelnen Vorwürfen blieb das Unternehmen bislang schuldig.



