Kaum wird es im Garten sommerlich, machen in sozialen Netzwerken wieder Haushaltstricks die Runde, die mit wenig Aufwand große Wirkung versprechen. Ein besonders beliebter Vorschlag: Man stellt einen Besen mit den Borsten nach oben in den Garten. Zwischen den dichten Borsten sollen sich angeblich Insekten ansiedeln und ein einfaches Quartier finden. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hält von dieser Idee jedoch wenig.
Was der Trick verspricht
Die Logik klingt zunächst plausibel: Der umgedrehte Besenkopf bildet mit seinen Borsten viele kleine Hohlräume. In diese sollen sich Nützlinge wie Ohrwürmer zurückziehen, die wiederum Blattläuse und Schädlinge vertilgen. Manche Versionen des Tipps versprechen sogar, der Besen halte Wespen fern oder biete ihnen Unterschlupf. Verbreitet wird das Ganze als nahezu kostenlose Soforthilfe für mehr Artenvielfalt im Beet.
Warum der Besen-Trick nicht funktioniert
„Ich würde eher davon abraten", erklärt eine Sprecherin des NABU gegenüber t-online. Das zentrale Problem: Die Borsten des umgedrehten Besens stehen nach oben offen. Damit bietet das vermeintliche Quartier keinerlei Wetterschutz. Insekten brauchen aber einen geschützten Unterschlupf, der sie vor Regen, Wind und Temperaturschwankungen bewahrt. Ein ungeschützt aufgestellter Besenkopf leistet genau das nicht. Hinzu kommt: Es ist fraglich, ob die Tiere den Besen überhaupt als Rückzugsort annehmen. Der Trick weckt also vor allem falsche Hoffnungen.
Was der NABU stattdessen empfiehlt
Deutlich sinnvoller ist laut NABU eine sogenannte Benjeshecke: ein locker aufgeschichteter Wall aus Totholz, Ästen und Zweigen. Darin finden nicht nur Insekten, sondern auch Igel und Eidechsen geschützte Verstecke. Die wirksamste Maßnahme bleibt aber, den Garten insgesamt naturnah zu gestalten. Der NABU rät, heimische Stauden und Gehölze zu pflanzen, auf Gift und Kunstdünger zu verzichten, eine Wasserstelle anzulegen, eine Ecke mit Wildpflanzen einfach stehen zu lassen und offene Bodenstellen zu erhalten, in denen Wildbienen nisten können.
Hintergrund: Warum Insektenschutz wichtig ist
Wespen genießen einen schlechten Ruf, sind aber wertvolle Helfer: Sie jagen Fliegen, Mücken und Blattläuse, verwerten Fallobst und bestäuben Pflanzen. Nur zwei heimische Arten – die Deutsche und die Gemeine Wespe – interessieren sich überhaupt für Kuchen oder Wurst. Wer Ruhe haben will, deckt Speisen ab, stellt reife Trauben einige Meter entfernt als Ablenkung auf und vermeidet hektische Bewegungen. Wichtig zu wissen: Wespen stehen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes, Hornissen unterliegen dem besonderen Artenschutz. Nester dürfen nur mit triftigem Grund und oft nur mit Genehmigung entfernt werden. Statt zu vermeintlichen Wundertricks zu greifen, hilft am Ende ein gelassener Umgang mit den Tieren – und ein Garten, der echten Lebensraum bietet.



