Das Cispa-Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit in Saarbrücken gerät wegen seiner Verbindungen nach China unter Druck. Nach Medienberichten über mutmaßlich problematische Kooperationen hat das Bundesforschungsministerium eine rasche und umfassende Sonderprüfung angekündigt. Wichtig dabei: Es handelt sich bislang um eine Prüfung offener Fragen, nicht um erwiesene Verfehlungen.
Worum es geht
Cispa ist eines von 18 Helmholtz-Zentren in Deutschland und seit 2019 Teil der Gemeinschaft. Es forscht zu hochsensiblen Themen der IT- und Cybersicherheit. Gesellschafter sind der Bund und das Saarland.
Auslöser der Debatte sind Recherchen des „Handelsblatt", denen zufolge das Zentrum mit chinesischen Wissenschaftlern aus dem militärischen Umfeld sowie mit Hochschulen kooperiert haben soll, die auf US-Sanktionslisten stehen. Nach Angaben von Business Insider entstanden zwischen 2020 und 2025 demnach 123 Publikationen mit Forschenden kritischer chinesischer Universitäten. In der Gruppe von Cispa-Direktor Michael Backes sollen 18 von 19 Mitgliedern aus China stammen. Behandelte Themen seien unter anderem Überwachungstechnologien sowie Angriffe auf KI-Systeme.
Wer die Prüfung veranlasst
Das Bundesforschungsministerium kündigte eine schnelle Aufklärung an. Im Zuge der Umsetzung einer neuen Forschungssicherheitsstrategie würden die Gesellschafter „eine zügige und lückenlose Prüfung der angesprochenen Sachverhalte veranlassen", so eine Ministeriumssprecherin. Auch die saarländische Staatskanzlei verlangt, dass die Leitung Sicherheitsfragen rund um China „besonderes Augenmerk" widmet.
Brisant ist der zeitliche Zusammenhang: Trotz einer Warnung des Verfassungsschutzes, der Cispa als mögliches Ziel chinesischer Geheimdienste einstuft, plant der Bund laut Business Insider, die jährliche Förderung von rund 48 Millionen Euro um etwa 45 Millionen Euro auf über 100 Millionen Euro zu erhöhen.
Die Position von Cispa
Cispa weist die Vorwürfe entschieden zurück. Forschungssicherheit habe „höchste Priorität", erklärte das Zentrum laut news.de. Man habe einen Beauftragten für Forschungssicherheit benannt; der Aufsichtsrat habe am 10. Juni turnusgemäß eine neue Sicherheitsstrategie beschlossen. Internationale Spitzenforschung sei ohne internationale Teams kaum möglich, und die Herkunft einzelner Forschender lasse keinen Rückschluss auf ein Sicherheitsrisiko zu.
Einordnung
Der Fall berührt eine größere Debatte um Forschungssicherheit. Antonia Hmaidi vom Mercator Institute for China Studies warnt vor einem „erheblichen Risiko" und rät von Cybersicherheits-Kooperationen mit chinesischen Staatsbürgern ab. Die Gegenseite verweist auf die Internationalität moderner Forschung und das Risiko pauschaler Verdächtigungen entlang der Herkunft. Die nun angekündigte Prüfung soll klären, ob bei sicherheitsrelevanter Forschung tatsächlich ein Wissensabfluss droht. Ein Beleg für konkrete Spionage liegt bislang nicht öffentlich vor.



