Die kurzen, spät dunkel werdenden Nächte des Hochsommers sind ideal, um den Sternenhimmel zu erkunden – warm genug, um lange draußen zu bleiben. Allerdings wird es Ende Juni in Deutschland erst nach 23 Uhr richtig dunkel, denn nach der Sommersonnenwende am 21. Juni bleibt die Dämmerung lange hell. Die beste Beobachtungszeit ist daher spätabends bis nach Mitternacht, am besten in einer mondlosen Nacht.
Das Sommerdreieck – drei helle Wegweiser
Das auffälligste Muster am Sommerhimmel ist das Sommerdreieck. Es besteht aus drei sehr hellen Sternen aus drei verschiedenen Sternbildern und ist selbst kein eigenes Sternbild, sondern ein sogenannter Asterismus – eine markante Sternfigur. Seine Eckpunkte sind Wega im Sternbild Leier, der hellste Stern am Nordhimmel und mit rund 25 Lichtjahren ein naher Nachbar unserer Sonne; Deneb im Schwan, der trotz einer Entfernung von über 3.000 Lichtjahren zu den hellsten Sternen am Himmel zählt; und Atair im Adler. Ende Juni steht das Sommerdreieck am Abend bereits im Osten und klettert im Lauf der Nacht hoch über den Himmel (Vereinigung der Sternfreunde, Spektrum).
Die Milchstraße – nur an dunklen Orten
Im Sommer blicken wir abends in Richtung des Zentrums unserer Galaxie, das über 25.000 Lichtjahre entfernt in den Sternbildern Schütze und Skorpion tief im Süden liegt. Dort ist die Milchstraße besonders dicht und hell. Als zartes, nebliges Band zieht sie sich vom Südhorizont durch Adler und Schwan über den ganzen Himmel. Doch Vorsicht: Die Milchstraße ist empfindlich gegenüber Lichtverschmutzung. In Städten ist sie kaum zu sehen – nötig ist ein möglichst dunkler Standort weit außerhalb von Ortschaften (Stiftung Planetarium Berlin).
Skorpion, Schütze und Herkules
Tief über dem südlichen Horizont funkelt der rötliche Antares im Skorpion, ein gewaltiger Roter Riese. Sein Name bedeutet „Gegen-Mars", weil seine Farbe an den Planeten erinnert. Weil der Skorpion in Deutschland nur knapp über den Horizont steigt, braucht man freie Sicht nach Süden. Hoch im Süden steht das Sternbild Herkules mit seinem berühmten Kugelsternhaufen M13 – dem hellsten am Nordhimmel. Er besteht aus mehreren hunderttausend Sternen und erscheint im Fernglas als kleiner, runder Nebelfleck.
Tipps für die Beobachtung
- Dunkler Ort: Fahren Sie raus aufs Land, fernab von Straßenlaternen.
- Augen anpassen: Geben Sie Ihren Augen 20 bis 30 Minuten Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
- Rote Taschenlampe: Sie erhält die Dunkeladaption – normales weißes Licht zerstört sie sofort.
- Fernglas genügt: Schon ein einfaches Fernglas zeigt Sternhaufen, Nebel und unzählige Sterne der Milchstraße.
- Mondphase beachten: Eine mondlose Nacht ist für die Milchstraße entscheidend.
Übrigens lohnt sich auch ein Blick in die frühe Abenddämmerung: In diesen Wochen zeigen sich helle Planeten tief am westlichen Himmel kurz nach Sonnenuntergang. Ihre Sichtbarkeit ändert sich allerdings von Woche zu Woche – ein Blick in eine aktuelle Sternkarte lohnt sich vor jeder Beobachtungsnacht.



