Es ist ein Wettlauf gegen die Erdatmosphäre: Dem Neil Gehrels Swift Observatory der NASA droht der unkontrollierte Wiedereintritt. Um das wertvolle Teleskop zu retten, plant die US-Raumfahrtbehörde laut heise online eine in dieser Form beispiellose Mission: Ein privat entwickelter Roboter soll den Satelliten im All einfangen und anheben.
Warum Swift abzustürzen droht
Das 2004 gestartete und 2018 nach dem Astrophysiker Neil Gehrels benannte Teleskop beobachtet vom niedrigen Erdorbit aus Gammastrahlenausbrüche – die energiereichsten Explosionen des Universums. Seit über zwei Jahrzehnten umkreist es die Erde, doch seine Bahn sinkt immer schneller. Verantwortlich dafür ist nach Angaben von heise eine erhöhte Sonnenaktivität: Sie lässt die obere Erdatmosphäre aufquellen, wodurch der Luftwiderstand auf den Satelliten zunimmt und ihn stärker abbremst als erwartet.
Die kritische Schwelle liegt bei rund 300 Kilometern Höhe. Laut SpaceNews würde Swift diese Marke etwa im Oktober 2026 erreichen – darunter wäre eine Rettung kaum noch möglich. Um den Abstieg zu verlangsamen, hat die NASA das Teleskop weitgehend in einen energiesparenden Ruhezustand versetzt und so ausgerichtet, dass es möglichst wenig Bremswirkung erfährt.
Ein Roboter mit drei Greifarmen
Die Rettung übernimmt das in Arizona ansässige Unternehmen Katalyst Space Technologies. Sein Servicing-Raumfahrzeug trägt den Namen LINK. Es wiegt rund 400 Kilogramm, ist etwa so groß wie ein großer Mini-Kühlschrank und verfügt über ausklappbare Solarpaneele sowie drei Roboterarme mit Greifern, die jeweils mit einem kleinen Lidar-Sensor zur präzisen Steuerung ausgestattet sind (Space.com).
Der technische Ablauf ist heikel, denn Swift wurde nie für eine Wartung im All konzipiert: Es besitzt keine vorgesehenen Andockpunkte. LINK soll sich dem Teleskop daher zunächst annähern und mögliche Greifstellen inspizieren. Für das Andocken stehen laut SpaceNews eine primäre, eine Backup- und eine sekundäre Option zur Verfügung – schon ein einziger erfolgreich greifender Arm genügt, um das Bahnanhebungs-Manöver einzuleiten. Anschließend zündet LINK seine Triebwerke und schiebt Swift in eine höhere, stabilere Umlaufbahn oberhalb der kritischen Marke, wo der Forschungsbetrieb wieder aufgenommen werden kann.
Zeitplan und Tempo
Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit des Projekts. Den Auftrag erhielt Katalyst im September 2025; die NASA zahlt dafür 30 Millionen US-Dollar. In rund neun Monaten sei man „von einem leeren Blatt zu einem startbereiten Raumfahrzeug“ gekommen, zitiert SpaceNews den LINK-Verantwortlichen Kieran Wilson.
Der Start ist für den 27. Juni 2026 vorgesehen. Zum Einsatz kommt eine luftgestartete Pegasus-XL-Rakete von Northrop Grumman, die von einem Flugzeug aus über dem Kwajalein-Atoll im Pazifik abgeworfen wird. Etwa zwei Wochen nach dem Start soll die Inspektionsphase beginnen.
Eine Premiere der Raumfahrt
Gelingt das Vorhaben, wäre es nach übereinstimmenden Berichten das erste Mal, dass ein privat entwickelter Roboter autonom einen aktiven, nicht für Wartung ausgelegten Forschungssatelliten der US-Regierung einfängt und anhebt. Die Mission könnte damit zum Wegbereiter für eine ganze Branche kommerzieller Satelliten-Wartung werden – und zeigen, dass teure Weltrauminfrastruktur nicht zwangsläufig in der Atmosphäre verglühen muss.



