Eine ungewöhnliche Diebstahlserie hält die Brandenburger Behörden seit dem Frühjahr in Atem: Unbekannte haben in den vergangenen Monaten Hunderte Rinder von Weiden und aus Ställen entwendet. Als Reaktion darauf hat die Polizei ihre Kontrollen von Viehtransporten deutlich verschärft – und dabei nicht nur nach gestohlenem Vieh, sondern auch nach Verstößen gegen Verkehrs- und Tierschutzvorschriften gesucht.

Schwerpunktkontrolle im Norden Brandenburgs

Bei einer Schwerpunktaktion im Norden des Landes überprüften Beamte nach Behördenangaben zwischen 8 und 12 Uhr insgesamt zwölf Viehtransporte. Tierschutzrechtliche Verstöße stellten die Kontrolleure dabei nicht fest. Allerdings ahndeten sie sieben Ordnungswidrigkeiten – überwiegend im Zusammenhang mit Lenk-, Ruhe- und Arbeitszeiten der Fahrer. Hinzu kam ein Verstoß gegen das Straßenverkehrsrecht (Tagesspiegel). Geprüft wurden unter anderem die Ohrmarken der Tiere sowie die mitgeführten Frachtpapiere – beides wichtig, um die Herkunft von Vieh nachzuvollziehen.

Diebstahlserie als Auslöser

Hintergrund der verstärkten Kontrollen ist eine Häufung von Rinderdiebstählen seit März. Nach Angaben von Innenminister Jan Redmann (CDU) wurden landesweit 233 Rinder gestohlen, der Schaden wird auf rund 337.000 Euro beziffert – betroffen ist vor allem der Süden Brandenburgs. In der Lausitz registrierte die Polizei mehrere Einzelfälle, darunter 70 Rinder im Raum Uebigau-Wahrenbrück, 48 Tiere bei Raddusch und 32 Rinder bei Schenkendöbern (Niederlausitz aktuell).

Der Landesbauernverband geht von professionell organisierten Tätern aus, die nachts mehrere Tiere zugleich verladen. Auch die Polizei vermutet organisierte Kriminalität, möglicherweise mit Verbindungen nach Osteuropa. Zur Aufklärung der Fälle wurde eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Kontrollen vor allem nachts

Künftig will die Polizei Viehtransporte schwerpunktmäßig nachts und in den frühen Morgenstunden kontrollieren, um mögliche Diebstähle „auf frischer Tat“ aufdecken zu können, so Redmann. Er räumte zugleich ein: „Es ist unmöglich, an jede Weide in Brandenburg einen Streifenwagen zu stellen.“ Ergänzend tauscht sich die Brandenburger Polizei mit polnischen Kollegen aus, um Transporte in der Grenzregion zu überwachen. Betroffenen Höfen rät die Polizei zu technischen Sicherungen wie Kameras und Lichtschranken sowie zu häufigeren Kontrollgängen.