Wenige Künstlerinnen polarisieren den deutschsprachigen Pop derzeit so stark wie Ikkimel. Die Berlinerin, bürgerlich Melina Strauß, hat binnen weniger Jahre den Weg vom Underground in die Chartspitze zurückgelegt – und dabei das Genre Deutschrap mit einer dezidiert weiblichen Perspektive konfrontiert.

Von der Universität ins Studio

Strauß, geboren 1997 in Berlin, kam über einen ungewöhnlichen Weg zur Musik. Sie absolvierte laut Wikipedia ein Studium der Germanistik sowie der Sozial- und Kulturanthropologie mit Schwerpunkt Linguistik an der Freien Universität Berlin. Erst nach dem Tod ihres Vaters während der Corona-Pandemie wandte sie sich professionell der Musik zu und nahm den Künstlernamen Ikkimel an. Dieser linguistische Hintergrund ist hörbar: Ihre Texte leben von Wortspielen, Doppeldeutigkeiten und satirischen Spitzen.

Clubsound trifft Tabubruch

Musikalisch lässt sich Ikkimel kaum in eine Schublade pressen. Sie verbindet Deutschrap mit Hyperpop, Jersey Club sowie Trance- und House-Elementen – ein Sound, der ebenso auf die Tanzfläche wie auf provokante Wortkunst zielt. Inhaltlich kreisen die Songs um Party, Drogen, Sex und vor allem um weibliche Selbstermächtigung.

Der Clou: Ikkimel übernimmt jene drastische, sexualisierte Sprache, die im Rap traditionell männlich besetzt ist, und kehrt sie um. Was bei männlichen Kollegen als Pose gilt, wird bei ihr zur Kritik am Sexismus des Genres und am sogenannten Male Gaze. Sie selbst bezeichnet sich als „definitiv feministisch“.

Der Aufstieg in die Charts

Nach ersten Singles 2022 und einer Debüt-EP unterschrieb sie bei Four Music, einem Label von Sony. Es folgten weitere EPs und 2025 ihr Debütalbum. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte sie 2026: Das Album „Poppstar“ erschien Mitte Mai 2026 und stieg laut den Offiziellen Deutschen Charts an die Spitze der Album-Charts ein.

Kontroversen und Gegenwind

Ikkimels Erfolg ging stets mit Reibung einher. 2024 weigerte sich der Hessische Rundfunk zunächst, einen Wahlwerbespot auszustrahlen, der einen ihrer Songs enthielt – der Sender verlor den anschließenden Rechtsstreit. Ihre explizite Sprache wird im Feuilleton ebenso als Tabubruch und Empowerment gefeiert wie als bloße Provokation gescholten. Mit dem Mainstream-Erfolg von „Poppstar“ mehrten sich auch kritische Stimmen, die ihr Ausverkauf oder Selbstwiederholung vorwerfen.

Unabhängig vom Streit über Geschmack und Grenzen steht fest: Ikkimel hat eine Lücke gefüllt. Sie verleiht weiblicher Sexualität und Wut im deutschen Rap eine laute, unbequeme Stimme – und ein ganzes Publikum hört zu.