Rund 217 Lichtjahre von der Erde entfernt, im Sternbild Großer Bär, zieht ein Gasriese seine Bahnen, der die gängigen Vorstellungen von einem „Heißen Jupiter“ auf die Probe stellt. Der Planet HD 80606 b bewegt sich nicht in dichter, kreisförmiger Umlaufbahn um seinen Stern, wie es für diese Klasse glühend heißer Riesenwelten typisch ist. Stattdessen folgt er einer extrem in die Länge gezogenen Bahn, die eher an einen Kometen erinnert. Mit dem James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) hat ein Team unter Leitung von Tiffany Kataria am NASA Jet Propulsion Laboratory diesen Planeten beim dramatischen Vorbeiflug an seinem Stern beobachtet.
Eine Bahn wie ein Komet
HD 80606 b besitzt etwa die vierfache Masse des Jupiter und umrundet seinen sonnenähnlichen Stern einmal alle 111 Tage. Das Besondere ist die Exzentrizität seiner Bahn von rund 0,93 – einer der höchsten Werte, die man bei Exoplaneten kennt. Zum Vergleich: Eine kreisförmige Bahn hätte den Wert 0, die Erdbahn liegt nahe null.
Durch diese ausgeprägte Ellipse schwankt der Abstand zum Stern enorm. Im sternfernsten Punkt ist der Planet etwa 133 Millionen Kilometer entfernt, fast so weit wie die Erde von der Sonne. Im sternnächsten Punkt schrumpft die Distanz auf nur noch rund 5 Millionen Kilometer. Innerhalb weniger Stunden stürzt der Gasriese also auf seinen Stern zu, umrundet ihn knapp und wird wieder in die Kälte hinausgeschleudert (Spektrum.de).
Ein Temperatursprung von über 600 Grad
Diese kometenhafte Bewegung hat drastische Folgen für die Atmosphäre. Beim Vorbeiflug am Stern heizt sich HD 80606 b nach den Webb-Daten von etwa 550 Grad Celsius auf rund 1200 Grad Celsius auf – ein Sprung von etwa 600 Grad innerhalb kürzester Zeit. Bemerkenswert ist, dass dieser Anstieg laut den Forschenden noch heftiger ausfiel als auf Basis älterer Messungen des inzwischen abgeschalteten Spitzer-Teleskops erwartet. Die „Jahreszeiten“ dieses Planeten werden also nicht durch eine Achsneigung wie auf der Erde bestimmt, sondern allein durch den dramatisch wechselnden Abstand zum Stern.
Chemie im Wandel – nahezu in Echtzeit
Für die Beobachtungen nutzte das Team das Mid-Infrared Instrument (MIRI) an Bord des Webb-Teleskops und führte Spektroskopie vor, während und nach dem engsten Vorbeiflug durch. Weil sich die Bedingungen während dieses Durchgangs so schnell ändern, lässt sich beobachten, wie Atmosphärenchemie und Wolken eines fernen Planeten nahezu in Echtzeit auf die plötzliche Aufheizung reagieren. Genau das macht HD 80606 b zu einem einzigartigen natürlichen Labor: Während die meisten Heißen Jupiter in stabiler Hitze festsitzen, erlaubt diese extreme Bahn einen Blick auf die Dynamik einer Gasriesen-Atmosphäre unter rasch wechselnden Bedingungen.
Vorläufige Ergebnisse
Die Auswertung der Webb-Daten wurde Mitte Juni 2026 auf der Tagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft (AAS) vorgestellt. Die Forschenden betonen, dass die Analyse noch vorläufig ist und weitere Auswertungen folgen. Klar ist aber bereits: HD 80606 b zeigt, dass die Vielfalt der Heißen Jupiter größer ist, als der einfache Name vermuten lässt.



