Bosch ist im E-Bike-Markt vor allem für seine kräftigen Mittelmotoren bekannt. Mit dem Hub Line bringt der Konzern nun erstmals einen Hinterradnabenmotor – und der niederländische Hersteller Gazelle gehört mit dem neuen Stadtrad Curb zu den ersten, die ihn einsetzen.

Was am Bosch-Nabenmotor besonders ist

Anders als ein Mittelmotor sitzt der Hub-Line-Antrieb in der Hinterradnabe. Bosch nennt ein maximales Drehmoment von 45 Nm, eine Dauerleistung von 250 Watt und eine kurzzeitige Spitzenleistung von 400 Watt. Mit nur 2,3 Kilogramm Gewicht und 100 Millimetern Durchmesser ist die Einheit deutlich kompakter als ein klassischer Bosch-Mittelmotor (heise online).

Der entscheidende Vorteil der Bauweise: Das Rad lässt sich rund um die Nabe gestalten, statt den Rahmen um einen zentralen Motorblock herum zu konstruieren. Das ermöglicht schlanke, fast unsichtbar integrierte Designs und insgesamt leichtere Räder. Weil der Antrieb nicht über das Tretlager läuft, ist er außerdem mit Riemenantrieb und einer Nabenschaltung kombinierbar – Optionen, die bei vielen Mittelmotoren ausscheiden.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Rekuperation: Der Nabenmotor kann beim Bremsen Energie zurückgewinnen. Den realen Effekt sollte man jedoch nicht überschätzen – im Alltag liegt der Reichweitengewinn meist nur bei wenigen Prozent. Auch funktional gibt es Grenzen: Bei längeren steilen Anstiegen oder oberhalb der 25-km/h-Abregelung muss spürbar mehr selbst getreten werden, vor allem in der Single-Speed-Variante.

Das Gazelle Curb im Detail

Gazelle setzt den Antrieb in einem betont reduzierten Stadtrad ein. Kabel, Akku und Beleuchtung sind weitgehend in den Rahmen integriert, sodass das Curb auf den ersten Blick kaum als E-Bike erkennbar ist. Der entnehmbare Akku mit 360 Wattstunden steckt im Sitzrohr; optional lässt sich ein Bosch-Range-Extender ergänzen (Gazelle).

Das Curb kommt in zwei Ausführungen zum gleichen Preis: Das C1 kombiniert einen wartungsarmen Gates-Riemenantrieb mit Single-Speed und richtet sich an Fahrer im flachen Stadtgebiet. Das T9 setzt auf eine klassische Kettenschaltung mit neun Gängen für längere Strecken ins Umland. Beide Modelle gibt es in Tief- und Hocheinsteiger-Rahmen, mit integrierter Beleuchtung, Hydraulik-Scheibenbremsen und Rahmenschloss.

Preis, Verfügbarkeit und Zielgruppe

Beide Varianten kosten jeweils 2.399 Euro. Gazelle nennt als Marktstart bislang nur „später im Jahr 2026“; eine Vorregistrierung ist über die Gazelle-Website möglich. Eine offizielle Reichweitenangabe für das Curb liegt noch nicht vor.

Die Zielgruppe ist klar umrissen: urbane Pendlerinnen und Pendler, die ein unauffälliges, wartungsarmes Rad für den täglichen Stadtverkehr suchen. Dass das Curb noch vor dem Verkaufsstart einen Red Dot Design Award erhielt, unterstreicht den Anspruch, Technik möglichst diskret zu verpacken. Ob Boschs Nabenmotor-Konzept den Markt breiter erobert, wird sich zeigen – das Gazelle Curb ist jedenfalls eines seiner ersten Aushängeschilder.