Die Bundesregierung plant eine deutliche Ausweitung der Abschiebungen nach Afghanistan. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) strebt an, künftig bis zu drei Charterflüge pro Monat in das von den Taliban regierte Land zu ermöglichen. Bislang fanden solche Flüge nur in größeren Abständen statt, berichtet t-online.

Was genau geplant ist

Im Zentrum der Pläne stehen ausreisepflichtige Straftäter. Nach Angaben aus dem Innenministerium befinden sich derzeit mindestens 100 abschiebebereite afghanische Straftäter in Haft. Dobrindt versteht die Rückführungen als festen Bestandteil seiner Migrationspolitik: „Abschiebungen von Straftätern nach Afghanistan werden regelmäßig und verlässlich durchgeführt“, erklärte er laut Tagesspiegel.

Die Zielgruppe sind nach bisheriger Praxis ausschließlich verurteilte Straftäter und mutmaßliche Gefährder, nicht die breite Gruppe afghanischer Geflüchteter. Beim jüngsten Charterflug im Juni 2026 wurden rund 30 ausreisepflichtige Männer von Leipzig/Halle nach Kabul gebracht, wie das Portal Migazin berichtet.

Heikle Gespräche mit den Taliban

Die größte Hürde ist diplomatischer Natur: Deutschland unterhält keine offiziellen Beziehungen zu den Taliban und erkennt sie nicht als legitime Regierung Afghanistans an. Um Abschiebungen dennoch zu organisieren, spricht die Bundesregierung von Kontakten „auf technischer Ebene“. Dieser Spagat ist der Kern der politischen Auseinandersetzung: Einerseits verweigert Berlin den Taliban wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen – besonders gegenüber Frauen – die Anerkennung. Andererseits sind für die praktische Durchführung von Rückführungen Absprachen mit eben diesem Regime notwendig.

Bisherige Praxis

Der erste Abschiebeflug nach der Machtübernahme der Taliban fand im August 2024 statt; damals wurden 28 verurteilte Straftäter ausgeflogen. Seither gab es einzelne weitere Charterflüge. Eine Frequenz von bis zu drei Flügen monatlich wäre damit eine erhebliche Steigerung gegenüber dem bisherigen Vorgehen.

Scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl kritisiert die Pläne deutlich. „Für einen Abschiebedeal normalisiert Deutschland ein international geächtetes Regime, das Frauen völlig entrechtet und Oppositionelle systematisch verfolgt“, erklärte Geschäftsführerin Helen Rezene laut Migazin. Das sei „menschenrechtlich verheerend und außenpolitisch töricht“. Pro Asyl hält Abschiebungen nach Afghanistan grundsätzlich für völkerrechtswidrig.

Befürworter der Pläne verweisen dagegen auf ein legitimes Interesse der Gesellschaft, dass verurteilte Straftäter das Land verlassen. Damit verläuft die Debatte entlang der bekannten Konfliktlinie zwischen Sicherheits- und Migrationspolitik einerseits und menschenrechtlichen sowie völkerrechtlichen Bedenken andererseits.