Nach 17 Jahren an der Spitze des Berliner Tourismus-Marketings steht ein Generationswechsel an: Burkhard Kieker, seit 2009 Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft visitBerlin (offiziell Berlin Tourismus & Kongress GmbH), übergibt sein Amt. Sein Vertrag läuft im Sommer 2026 mit Erreichen der Altersgrenze aus, wie visitBerlin mitteilt.
Ein Oberbayer aus Köln folgt auf Kieker
Neuer Mann an der Spitze ist Dr. Jürgen Amann. Der 53-Jährige leitete bislang die KölnTourismus GmbH und übernimmt in Berlin den Bereich „Destinationsmarketing & Commercial". Amann ist promovierter Wirtschaftsgeograf, in Oberbayern geboren und war zuvor unter anderem in Ingolstadt und Dresden im Stadt- und Tourismusmarketing tätig. Nach Angaben von visitBerlin setzte er sich gegen mehr als 100 Bewerberinnen und Bewerber durch.
Künftig führt Amann die Gesellschaft gemeinsam mit Sabine Wendt, die seit Januar 2024 als zweite Geschäftsführerin amtiert und für Destinationsmanagement und Unternehmensentwicklung verantwortlich ist. Der Aufsichtsratsvorsitzende Oliver Schumacher erklärte, mit Amann habe man „einen bewährten Tourismusprofi an Bord geholt".
Übernachtungen unter Vorkrisenniveau
Die Aufgabe ist anspruchsvoll: Der Berlin-Tourismus hat sich nach der Corona-Pandemie zwar erholt, das Rekordniveau von vor der Krise aber nicht wieder erreicht. Den jüngsten rund 30 Millionen Übernachtungen pro Jahr steht der Höchstwert von rund 34 Millionen aus dem Jahr 2019 gegenüber (laut Tagesspiegel; die exakten Jahreswerte verantwortet das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg).
Kieker zeigte sich zum Abschied dennoch zuversichtlich. Berlin verfüge weiterhin über eine starke internationale Markenkraft. Zwar habe die Branche nach Jahrzehnten des Wachstums eine Art Plateau erreicht, das Niveau von 2019 hält er aber für wieder erreichbar.
Bekannte Streitthemen erwarten den Nachfolger
Amann übernimmt eine Branche, die zugleich politisch umkämpft ist. In Berlin wird – wie in anderen europäischen Metropolen – über die Belastungsgrenzen des Städtetourismus diskutiert, und die Übernachtungssteuer (City Tax) bleibt ein Dauerthema zwischen Tourismuswirtschaft, Senat und Bezirken. Konkrete Vorhaben Amanns zu City Tax, Overtourism oder zur Vermarktung von Großevents nannte visitBerlin zum Zeitpunkt der Personalentscheidung noch nicht. Bekanntgegeben wurde die Entscheidung des Aufsichtsrats bereits im Dezember 2025.



