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title: "Radioaktiver Sternenstaub im Pazifik: Spuren einer uralten kosmischen Explosion"
description: "In einer Eisen-Mangan-Kruste vom Grund des Pazifiks haben Forschende des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf nur wenige Hundert Atome des seltenen Plutonium-244 nachgewiesen. Sie zeugen von einer extrem energiereichen kosmischen Explosion, die sich vor mehr als 100 Millionen Jahren in der Nachbarschaft unseres Sonnensystems ereignet haben muss."
category: "Wissenschaft"
category_url: https://weltwarte.de/kategorie/wissenschaft
author: "Paul Wagner"
published: 2026-06-22T04:16:00.000Z
updated: 2026-06-22T04:16:00.000Z
canonical: https://weltwarte.de/artikel/radioaktiver-sternenstaub-im-pazifik-spuren-einer-uralten-kosmischen-explosion
tags: ["Plutonium-244", "Supernova", "Eisen-60", "Neutronensterne", "HZDR", "Astrophysik", "Tiefsee"]
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# Radioaktiver Sternenstaub im Pazifik: Spuren einer uralten kosmischen Explosion

In einer Eisen-Mangan-Kruste vom Grund des Pazifiks haben Forschende des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf nur wenige Hundert Atome des seltenen Plutonium-244 nachgewiesen. Sie zeugen von einer extrem energiereichen kosmischen Explosion, die sich vor mehr als 100 Millionen Jahren in der Nachbarschaft unseres Sonnensystems ereignet haben muss.

Tief am Grund des Pazifiks, eingeschlossen in einer extrem langsam wachsenden Eisen-Mangan-Kruste, haben Forschende winzige Mengen radioaktiven Materials entdeckt, das nicht von der Erde stammt. Es sind die Überbleibsel einer gewaltigen kosmischen Explosion, die sich vor sehr langer Zeit ereignete – und deren Trümmer bis heute auf unseren Planeten herabrieseln. Die Ergebnisse eines internationalen Teams unter Leitung des [Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR)](https://www.hzdr.de/db/Cms?pLang=en&pNid=0&pOid=77856) erschienen 2026 im Fachjournal *Nature Astronomy*.

## Eine Handvoll fremder Atome

Die entscheidende Spur ist das Isotop Plutonium-244, der langlebigste radioaktive Vertreter des Elements Plutonium mit einer Halbwertszeit von rund 80 Millionen Jahren. In etwa einem Kilogramm Tiefsee-Kruste fanden die Forschenden nur einige Hundert Atome davon – eine extreme Rarität. Zum Nachweis war hochempfindliche Beschleuniger-Massenspektrometrie nötig, mit der einzelne Atome inmitten unvorstellbar vieler anderer aufgespürt werden können.

Plutonium-244 entsteht nicht in gewöhnlichen Sternen, sondern nur im sogenannten r-Prozess (rapid neutron capture). Dabei fangen Atomkerne in kürzester Zeit eine große Zahl von Neutronen ein – ein Vorgang, der nur unter extremsten Bedingungen abläuft, etwa beim Verschmelzen zweier Neutronensterne oder bei besonders energiereichen Supernovae. Die irdische Geologie kann solche schweren Elemente nicht hervorbringen; sie müssen aus dem Kosmos eingetragen worden sein, wie [phys.org](https://phys.org/news/2026-06-deep-sea-crust-uncovers-steady.html) berichtet.

## Zwei verschiedene kosmische Geschichten

Neben dem Plutonium untersuchte das Team auch das Isotop Eisen-60, einen klassischen Marker für nahe Supernova-Explosionen. Eisen-60 hat mit etwa 2,6 Millionen Jahren eine deutlich kürzere Halbwertszeit und zeigte in der Kruste klare Signaturen erdnaher Sternexplosionen, die nur wenige Millionen Jahre zurückliegen.

Entscheidend ist jedoch, dass die Verteilung des Plutonium-244 nicht mit der des Eisen-60 zusammenfällt. Während das Eisen-60 in zeitlich begrenzten Spitzen auftritt, rieselt das Plutonium über Jahrmillionen hinweg in nahezu gleichbleibend geringer Menge auf die Erde. Beide Isotope erzählen also nicht dieselbe Geschichte: Das Plutonium stammt nicht aus den jüngeren Supernovae, sondern aus einem viel älteren, eigenständigen Ereignis.

## Ein Ereignis vor über 100 Millionen Jahren

Aus dem radioaktiven Zerfall lässt sich das Alter abschätzen: Das letzte große astrophysikalische Ereignis in der kosmischen Nachbarschaft unseres Sonnensystems, das solche schweren Elemente erzeugt haben kann, liegt mindestens 100 Millionen Jahre zurück. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass das Plutonium von sehr seltenen kosmischen Explosionen stammt“, erklärt Anton Wallner vom HZDR – etwa von der Verschmelzung zweier Neutronensterne oder einer besonders energiereichen Supernova.

Bemerkenswert ist, dass die Trümmer dieser uralten Katastrophe selbst heute noch auf die Erde fallen. Das spricht dafür, dass sich das ausgeschleuderte Material weiträumig im interstellaren Raum verteilt hat und unser Sonnensystem auf seiner Bahn durch die Milchstraße kontinuierlich kleine Mengen davon aufsammelt.

## Mehr Fragen als Antworten

Für die Astrophysik ist der Fund doppelt spannend: Er liefert einen direkten Beleg für r-Prozess-Material aus der kosmischen Umgebung der Erde – und wirft zugleich neue Fragen auf. Die genaue Quelle, ob Neutronenstern-Kollision oder Hypernova, bleibt offen. Die Tiefsee-Kruste erweist sich damit als geduldiges Archiv, das die Spuren ferner Sternenkatastrophen über Jahrmillionen bewahrt.

## Quellen

- [Spuren einer Millionen Jahre alten kosmischen Explosion im Meeresgrund entdeckt](https://www.heise.de/news/Spuren-einer-Millionen-Jahre-alten-kosmischen-Explosion-im-Meeresgrund-entdeckt-11337633.html)
- [Cosmic witnesses: Radionuclides trapped in a deep-sea sample](https://www.hzdr.de/db/Cms?pLang=en&pNid=0&pOid=77856)
- [Deep-sea crust uncovers steady plutonium rain from ancient debris](https://phys.org/news/2026-06-deep-sea-crust-uncovers-steady.html)

