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title: "Illegal gefangen, in Tüten geschmuggelt: Das Milliardengeschäft mit dem Aal"
description: "Der Europäische Aal ist vom Aussterben bedroht – und zugleich Ziel eines der größten Wildtierverbrechen der Welt. Kriminelle Netzwerke schmuggeln jedes Jahr Hunderte Millionen winziger Glasaale nach Asien. Der Schwarzmarkt bringt Milliarden, die Strafen sind gering."
category: "Wissenschaft"
category_url: https://weltwarte.de/kategorie/wissenschaft
author: "Paul Wagner"
published: 2026-06-22T06:43:00.000Z
updated: 2026-06-22T06:43:00.000Z
canonical: https://weltwarte.de/artikel/illegal-gefangen-in-tueten-geschmuggelt-das-milliardengeschaeft-mit-dem-aal
tags: ["Europäischer Aal", "Artenschutz", "Wildtierschmuggel", "Glasaal", "Europol", "CITES"]
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# Illegal gefangen, in Tüten geschmuggelt: Das Milliardengeschäft mit dem Aal

Der Europäische Aal ist vom Aussterben bedroht – und zugleich Ziel eines der größten Wildtierverbrechen der Welt. Kriminelle Netzwerke schmuggeln jedes Jahr Hunderte Millionen winziger Glasaale nach Asien. Der Schwarzmarkt bringt Milliarden, die Strafen sind gering.

Es ist eines der lukrativsten und zugleich am wenigsten beachteten Wildtierverbrechen der Welt: Jedes Frühjahr werden an europäischen Flussmündungen winzige, glasklare Jungfische gefangen, in mit Sauerstoff angereicherte Plastiktüten gepackt und in Koffern über Flughäfen nach Asien geschmuggelt. Die Rede ist vom Europäischen Aal (*Anguilla anguilla*) – einer Art, die am Rande des Aussterbens steht und gerade deshalb so begehrt ist.

## Eine Art im freien Fall

Der Europäische Aal gilt seit 2008 auf der [Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „vom Aussterben bedroht“](https://www.cms.int/news/european-eel-remains-critically-endangered-latest-iucn-red-list). Die Zahl der Jungtiere, die Europa erreichen, ist seit den 1970er-Jahren um rund 90 Prozent eingebrochen. Der Lebenszyklus macht den Schutz besonders schwierig: Aale pflanzen sich nur in der weit entfernten Sargassosee im Atlantik fort, eine Vermehrung in Gefangenschaft ist bis heute nicht gelungen.

Genau diese Unmöglichkeit der Zucht ist der Kern des Problems. Asiatische Aalfarmen – vor allem in China, Japan und Südkorea, wo Aal als Delikatesse gilt – sind auf Wildfänge angewiesen. Da auch die asiatischen Aalarten überfischt sind, wuchs die Nachfrage nach den europäischen Glasaalen, den nur wenige Zentimeter langen Jungtieren.

## Vom Flussufer in den Koffer

Der Handel folgt einem eingespielten Muster: Die Tiere werden in Plastiktüten mit wenig Wasser und viel Sauerstoff verpackt, mit Thermodecken isoliert und so transportfähig gemacht. Sogenannte „Fischmulis“ tragen sie als Handgepäck durch Flughäfen. In Asien werden die Aale großgezogen und häufig als heimische Art umetikettiert.

Die Dimensionen sind enorm. Nach Schätzungen von [Europol](https://www.europol.europa.eu/media-press/newsroom/news/major-blow-to-billion-euro-glass-eel-trafficking-networks) werden pro Jahr bis zu 100 Tonnen Glasaale geschmuggelt – das entspricht rund 300 Millionen einzelnen Fischen. In Spitzenjahren beziffert die Behörde den Wert des Schwarzmarkts auf 2,5 bis 3 Milliarden Euro. Der Aufschlag in der Lieferkette ist gewaltig: Ein Kilogramm Glasaale kann später mehr als eine Tonne ausgewachsener Aale ergeben.

## Razzien, aber keine Trendwende

Seit 2015 koordiniert Europol die Operation „LAKE“ gegen den Aalschmuggel. In der Saison 2024/2025 führten die Behörden über 16.000 Kontrollen durch, beschlagnahmten 22 Tonnen Glasaale und nahmen 26 Personen fest. Im März 2026 meldete Europol einen weiteren [Schlag gegen die Schmuggelnetzwerke](https://www.europol.europa.eu/media-press/newsroom/news/major-blow-to-billion-euro-glass-eel-trafficking-networks), unter anderem mithilfe von DNA-Tests zum Nachweis der geschützten Art.

Innerhalb der EU besteht seit 2010 ein Exportverbot für Aale; der Europäische Aal ist zudem seit 2007 im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES gelistet. Ein 2025 vorgelegter Vorschlag, alle Aalarten weltweit unter Anhang II zu stellen, wurde auf der CITES-Konferenz jedoch abgelehnt – ein Rückschlag für den Artenschutz.

## Warum der Aal so wertvoll bleibt

Die Logik des Geschäfts ist paradox: Je seltener der Aal wird, desto höher steigt sein Wert – und desto attraktiver wird der Schmuggel für die organisierte Kriminalität, die laut Fachleuten zunehmend vom Drogenhandel auf Aale umsteigt. Solange sich die Art nicht züchten lässt und die Nachfrage in Asien anhält, bleibt jeder gefangene Glasaal bares Geld. Ohne strengere Strafen, lückenlose Kontrollen und funktionierende internationale Schutzabkommen droht dem ältesten Wanderfisch Europas das Ende – verzehrt, bevor er sich je fortpflanzen konnte.

## Quellen

- [Das lukrative Schmuggelgeschäft mit dem Aal](https://www.spektrum.de/news/das-lukrative-schmuggelgeschaeft-mit-dem-aal/2316276)
- [Major blow to billion-euro glass eel trafficking networks](https://www.europol.europa.eu/media-press/newsroom/news/major-blow-to-billion-euro-glass-eel-trafficking-networks)
- [European Eel Remains Critically Endangered in Latest IUCN Red List](https://www.cms.int/news/european-eel-remains-critically-endangered-latest-iucn-red-list)

