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title: "EU-Kommission lässt Anträge auf Akteneinsicht immer länger liegen"
description: "Die EU-Kommission braucht für die Beantwortung von Anträgen auf Dokumentenzugang immer länger – obwohl die Zahl der Anfragen seit Jahren sinkt. Die EU-Bürgerbeauftragte und Transparenz-Organisationen sprechen von einem systematischen Problem, das die demokratische Kontrolle untergräbt."
category: "Wissenschaft"
category_url: https://weltwarte.de/kategorie/wissenschaft
author: "Katrin Busch"
published: 2026-06-22T16:21:00.000Z
updated: 2026-06-22T16:21:00.000Z
canonical: https://weltwarte.de/artikel/eu-kommission-laesst-antraege-auf-akteneinsicht-immer-laenger-liegen
tags: ["EU-Kommission", "Informationsfreiheit", "Transparenz", "Bürgerbeauftragte", "Demokratie"]
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# EU-Kommission lässt Anträge auf Akteneinsicht immer länger liegen

Die EU-Kommission braucht für die Beantwortung von Anträgen auf Dokumentenzugang immer länger – obwohl die Zahl der Anfragen seit Jahren sinkt. Die EU-Bürgerbeauftragte und Transparenz-Organisationen sprechen von einem systematischen Problem, das die demokratische Kontrolle untergräbt.

Wer in Brüssel ein Dokument der EU-Kommission einsehen will, muss Geduld mitbringen – immer mehr Geduld. Das geht aus aktuellen Auswertungen hervor, über die unter anderem [heise online](https://www.heise.de/news/EU-Kommission-sitzt-Informationsfreiheitsantraege-trotz-sinkender-Zahlen-aus-11340757.html) berichtet. Pikant daran: Die Bearbeitung wird schleppender, obwohl die Behörde immer weniger Anfragen erhält.

## Worum es geht

Grundlage des Rechts auf Zugang zu EU-Dokumenten ist die [Verordnung 1049/2001](https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2001/1049/oj/eng). Sie gibt jeder Bürgerin und jedem Bürger der Union das Recht, Akten, E-Mails, Studien oder Sitzungsprotokolle der EU-Institutionen anzufordern. In der Praxis gilt sie vielen Beobachtern als Eckpfeiler europäischer Demokratie – einer, der zunehmend bröckelt. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Bearbeitungsfrist von 15 Arbeitstagen, in Ausnahmefällen verlängerbar auf 30.

## Die Zahlen

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist erheblich. Während die Zahl der Erstanträge von 8.420 im Spitzenjahr 2021 auf 6.434 im Jahr 2025 zurückging – ein Minus von rund 24 Prozent –, sank die Zahl der ausgestellten Antworten noch deutlich stärker: von 8.280 (2021) auf 4.471 (2025), also um etwa 46 Prozent.

Eine frühere Untersuchung der damaligen Bürgerbeauftragten Emily O'Reilly aus dem Jahr 2023 zeichnete bereits ein ernüchterndes Bild: 85 Prozent der Widerspruchsverfahren überschritten demnach die gesetzlichen Fristen, über 60 Prozent dauerten länger als 60 Arbeitstage – das Doppelte des Erlaubten ([European Times](https://europeantimes.news/2025/10/european-commission-faces-scrutiny-over-chronic-delays-in-access-to-documents-requests/)).

## Die Kritik

Für die im Februar 2025 vereidigte EU-Bürgerbeauftragte Teresa Anjinho sind die Verzögerungen „systematisch und erheblich". „Mehr kann getan werden, besonders bei der Europäischen Kommission", erklärte sie laut [Euronews](https://www.euronews.com/my-europe/2025/06/27/ombudswoman-urges-eu-institutions-to-improve-transparency-amid-complaints). Über 42 Prozent der Beschwerden bei ihrem Büro betreffen den Dokumentenzugang. Auch Nichtregierungsorganisationen erhöhen den Druck: Die Organisation [Access Info Europe](https://www.access-info.org/2025-03-25/joint-legal-challenge-filed-against-european-commissions-new-access-to-documents-rules/) hat verschärfte interne Regeln der Kommission gerichtlich angefochten.

## Begründung und Bedeutung

Die Kommission verweist auf gestiegene Komplexität der Anfragen und angespannte Kapazitäten bei begrenztem Personal. Doch genau die sinkenden Antragszahlen entziehen dieser Überlastungs-Erklärung den Boden – Kritiker sehen darin den Beleg für ein strukturelles, kein kapazitäres Problem. Die Folgen reichen über Verwaltungsfragen hinaus: Werden Informationen erst Monate nach Abschluss politischer Debatten herausgegeben, verlieren sie ihren Wert für die öffentliche Kontrolle. Oder, wie O'Reilly es zusammenfasste: „Verzögerter Zugang ist verweigerter Zugang."

## Quellen

- [EU-Kommission sitzt Informationsfreiheitsanträge trotz sinkender Zahlen aus](https://www.heise.de/news/EU-Kommission-sitzt-Informationsfreiheitsantraege-trotz-sinkender-Zahlen-aus-11340757.html)
- [Ombudswoman urges EU institutions to improve transparency amid complaints](https://www.euronews.com/my-europe/2025/06/27/ombudswoman-urges-eu-institutions-to-improve-transparency-amid-complaints)
- [Regulation (EC) No 1049/2001](https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2001/1049/oj/eng)

